Aus Dornfelder wird Weissburgunder

24. Juni 2015 | von Eva in Allgemein | Weingut

Wie eine Armee verletzter Soldaten….mit Trauerflor…

Wie verletzte Soldaten stehen unsere Reben da, seitdem in der letzten Woche ein Heer von Südamerikaner über sie hergefallen ist. Und das auch noch in unserem Auftrag. Doch die Mission der Südamerikaner war friedlich und hieß „Umpfropfen“.

In einer Seitenlage des Hendelbergs, direkt angrenzend an den Steinberg, hatte Hans Lang vor ca. 15 Jahren Dornfelder angepflanzt. Wir haben keine Verwendung für diesen Wein (denn wir lieben Spätburgunder)  und trugen uns mit dem Gedanken die Rebstöcke auszuhacken. Da stieß Urban auf eine andere Möglichkeit, mit der man einen neue Rebsorte pflanzen kann, ohne auf die Kraft der Rebwurzeln der 15 jährigen Stöcke verzichten zu müssen.

So lagerten wir im Herbst die Ruten eines Weissburgunders ein und die Profis aus Südamerika schnitten die Augen dieser Ruten heraus und pflanzten sie in den Stamm der Dornfelderreben. Dazu braucht es eine spezielle Schnitttechnik mit eine Kerbe in den Stamm geschnitten wird. Das Auge des Weissburgunders wurde dann in diese Kerbe gelegt und mit einer Art Tapeband festgebunden.

Das geschah in der letzten Woche und wir warten jetzt darauf ob diese Weissburgunder Augen anwachsen. Wenn alles gut läuft ernten wir dann im nächsten Jahr schon den ersten Weissburgunder aus unserer Dornfelderanlage…

Spannend, diese Geschichte, oder?

Die eingelagerten Routen des Weissburgunder

Die Profis aus Südamerika

Das Auge des Weissburgunders wird in die Kerbe des Dornfelders gelegt.

Der Dornfelder erhält eine Fußbinde

Und übrigens, der Trauerflor, das sind Hagelschutznetze, die bereits zu Hans Langs Zeiten angebracht wurden.

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2 Responses

  • HelmutNo Gravatar says:

    Eva, ich finde die Geschichte absolut spannend !

    🙂 und für mich sehen die bandagierten Dornfelder-Reben geradewegs so aus wie die trainierten, unternehmungslustigen Beine von Dressurpferden im idealen Alter, die im übertragenen Sinn dem Weingut und uns Kunden einmal einen springlebendigen Weissburgunder aus der frischen Höhenlage Hendelberg schenken werden. 😀

    Zum Pfropfen schrieb schon vor 200 Jahren ein Begründer der Naturphilosophie , F.W.J. Schelling, so schön:

    “ An ihr ( der Pflanze ) bricht das Leben an jedem Punkt hervor – und jeder Punkt ist das ganze Leben “

    “ Weil sie keinen absoluten Arbeitspunkt hat, hat sie kein Gefühl,
    wodurch nur alle Teile fühlen können,
    was der Eine fühlt.
    Bei der Pflanze ist JEDES Glied die GANZE Pflanze, wodurch sie in eine Menge von Individuen, die wieder Subjekte werden können, zerfällt; jeder Zweig des Baumes ist der ganze Baum;
    die Krone kann Wurzel,
    die Wurzel Krone werden;
    daher kann man die Pflanze pfropfen.

    Immer noch ein Wunder, auch in unserer aufgeklärten Zeit und mich freut Eure Entscheidung sehr ! 🙂

    • HelmutNo Gravatar says:

      😉 Im Nachhinein denke ich, soviel Sinn für Lyrik zum Thema entwickelt wohl nur ein Wein- und Pflanzenliebhaber, der mal im November mit dem Rad im grauen Rheingau an einer Rodungs-Aktion stoppte, weil es für ihn so überhaupt kein alltägliches Schauspiel war und darüber sehr nachdenklich wurde … auch wenn er natürlich versteht, dass es manchmal sein muß.
      Bei einem Artikel über gerettete Reben im Sommer konnte er sich dann wieder erfreulichen Assoziationen hingeben … 🙂



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