Unser Traum

22. Februar 2015 | von Eva in Allgemein | Persönliches - (0 Comments)

Ich hatte ja eine Fortsetzung unserer Geschichte angekündigt…

Wie bei Fortsetzungsromanen üblich hier die Kurzfassung des bisher Geschehenen: Der Schweizer Käseproduzent Urban Kaufmann trifft bei der Suche nach einer neuen Herausforderung in einem Weingut im deutschsprachigen Raum auf den Berater Erhard Heitlinger. Dieser vermittelt eine erste Kontaktaufnahme zur Geschäftsführerin des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter, die seit vielen Jahren ebenfalls von einem eigenen Weingut träumt. Die beiden treffen sich nach wenigen Telefonaten zu einem „Blind date“….

An einem heißen Sommertag (im Juni 2012) trafen wir uns dann also auf halbem Weg zwischen Mainz und St. Gallen im badischen Freiburg zu einem Abendessen mit Käse und Wein. Von der „ganz großen Liebe auf den ersten Blick“ zu sprechen wäre jetzt übertrieben, aber wir fanden uns gegenseitig sehr sympatisch und wir erkannten beide, dass der jeweils Andere die optimale Ergänzung zur Realisation unserer Träume war. Was uns nun noch fehlte war das geeignete Weingut.

Und das war gar nicht so einfach, zumal es bis dato keine nur annährend zentrale Anlaufstelle für Weingüter gab, die eine Betriebsnachfolge suchten oder gar mit dem Gedanken spielten ihr Weingut zu verkaufen. Erhard schaltete Anzeigen, sprach Banken und Sparkassen an und hörte sich in den Weinregionen um. So kam ein kleines Portfolio zusammen, das Urban und er auf eine handvoll Betriebe eindampften, die sie sich dann näher ansahen.

Urban und ich kommunizierten derweil per Skype und sahen uns ca 1 Mal im Monat bei einem wechselseitigen Besuch. Natürlich hielt er mich auf dem Laufenden was die Weingutssuche anging. Und wir sahen uns auch ein paar Güter gemeinsam an, allerdings mehr von außen und nur zwei bei einem gemeinsamen Gespräch mit den Weingutsinhabern.

Urban wurde ab Anfang 2013 ziemlich ungeduldig und betonte mehrmals, dass er, wenn das mit dem aktuell zur Debatte stehenden Weingut nichts würde, nicht länger suchen könne, da es sehr anstrengend für ihn war, sich mit den diversen Zahlen und Konstrukten auseinanderzusetzen. Ganz zu schweigen von der psychischen Belastung der ständigen Suche und des Infragestellens der bisherigen Existenzgrundlage und Lebensform. Ich dagegen plädierte dafür, dass wir uns Zeit nehmen müßten, denn schließlich reift die Entscheidung ein Weingut zu verkaufen auch über mehrere Jahre und irgendwann würde sich schon das richtige auftun.

Trotzdem machte ich mir natürlich auch Gedanken über meine / unsere Zukunft, wenn kein Weingut gefunden würde. Ein Leben in der Schweiz klingt zwar verlockend, aber Urban hatte im Grunde eine 7 Tage Woche, nahm nie Urlaub, und vor allen Dingen was für eine Beschäftigung würde ich hier finden können, die meinen Kompetenzen entsprach…? Es war schlichtweg nicht vorstellbar für mich, dass „die Hand die mich führt“ vorhatte, mich in die Schweiz zu führen….

Fortsetzung folgt

 

So hieß der Titel der Veranstaltung der Hochschule Geisenheim in Kooperation mit Erhard Heitlingers Firma Wein & Rat am gestrigen Abend. Hans Lang, Urban und ich sollten in einer kleinen Talkrunde ein wenig über unsere Erfahrungen hinsichtlich der Erfüllung und Umsetzung unseres Traumes berichten.

Urban war nämlich Erhard Heitlingers erster Kunde in Sachen Beratung beim Kauf eines Weinguts. Inzwischen hat Erhard Heitlinger eine kleine Welle ausgelöst, denn er kann sich kaum mehr von Anfragen von Verkäufern aber auch Käufern oder Investoren retten. So entstand die Idee dieser Veranstaltung als Informationsplattform um beiden Seiten die verschiedenen Möglichkeiten der Finanzierung und Strukturierung einer familien-externen Betriebsübergabe aufzuzeigen.

Das Interesse war rießengroß, so dass einige Besucher sogar auf den Stufen des Hörsaals sitzen oder stehen mußten

Da Erhard nicht nur sehr kompetent und engagiert mit Urban zusammen gearbeitet hat, sondern auch dafür „verantwortlich“ ist, dass Urban und ich uns kennengelernt haben, mußte ich in der Talkrunde spontan das Wort ergreifen um zu bestätigen, dass Erhard ein wirklich guter und ganzheitlich denkender Berater ist, den ich sehr empfehlen kann.

Und da ich ja irgendwann im November begonnen habe „unsere Geschichte“ zu erzählen, nutze ich die Gelegenheit und fange mal ganz von vorne an…

Urbans Traum

21. Januar 2015 | von Urban in Allgemein | Persönliches - (1 Comments)

Nach meiner Ausbildung als Käser und 12 jähriger Selbständigkeit mit einer Appenzeller Käserei in einem Dorf in der Nähe von St. Gallen wurde in mir die Frage immer präsenter, ob ich mit Anfang 40 vielleicht doch noch einmal etwas ganz Neues wagen sollte. Das Interesse und die Liebe zum Wein waren in den letzten Jahren allmählich und durch manchen Zufall gewachsen und ich verbrachte relativ viel Zeit damit, mir die Weinguts-Immobilienangebote der Toskana und des Piemonts anzusehen. Mit meinem Bruder besichtigte ich dann das ein oder andere Weingut, merkte aber sehr schnell, dass meine Schweizer Mentalität nicht ganz zu dem italienischen Lebens- und Arbeitsstil passten. Also war klar, dass der Traum eines eigenen Weinguts eher im deutschsprachigen Raum, sprich Österreich oder Deutschland zu verwirklichen wäre.

Bei Freunden im Remstal hatte ich schon so manche vergnügliche Abendstunde nach vollbrachtem Tagwerk im Weinberg genossen, so dass ich mich selbst auf die Probe stellen wollte, ob mir die tagtägliche Arbeit im Weinberg auch noch Freude machen würde. So bewarb ich mich beim Weingut Bachtobel im Kanton Thurgau um eine „Praktikatenstelle“.

So oft es ging fuhr ich im Jahr 2012 am Mittag die 30 km nach Weinfelden um mich bei den täglich anfallenden Arbeiten im Weinberg und Keller nützlich zu erweisen. Trotz der Doppelbelastung schmeckte mir diese Arbeit sehr gut und ich begann mehr und mehr Pläne zu schmieden, wie ich das Projekt Weingut in die Tat umsetzen könnte.

Dabei stieß ich in im Internet auf das Angebot von Erhard Heitlinger, der Weinbaubetriebe bei strategischen Fragen unterstützen wollte. Ich nahm Kontakt zu ihm auf und ab da machte  Erhard Weingüter für mich ausfindig , deren Nachfolgesituation ungeklärt war und die einen Nachfolger oder einen Investor suchten.

Irgendwann kam dann die Frage von Erhard, ob ich denn ganz alleine sei, bzw. das Weingut alleine – ohne Frau –  führen wollte. Diese Vorstellung schien ihm sichtbar suspekt bzw. unsvorstellbar. Ich gab ihm das Signal, dass er auch in dieser Hinsicht „vermitteln“ dürfe.

Fortsetzung folgt….

Evas Traum

20. Januar 2015 | von Eva in Persönliches | Weingut - (0 Comments)

Seit einiger Zeit war mir klar, dass ich nicht bis ans Ende meiner Tage die Geschäftsführung des VDP übernehmen wollte. Doch welche Alternative gab es dazu? Es fiel mir nur eine ein: ein eigenes Weingut…  Nur wie, ohne die finanziellen Mittel? Ich hatte zwar viel gearbeitet in meinem Leben, aber Gehaltsverhandlungen waren nie meine Sache und welcher Chef legt schon gerne von selbst was obendrauf?

Eine Geschäftsführerposition in einem Weingut konnte mich als Geschäftsführerin eines Verbands von 200 Weingüter nicht reizen und außerdem fehlte mir die entsprechende Weinbau-Ausbildung. Also war mir klar, entweder ich finde den Mann meines Lebens, der ein eigenes Weingut besitzt, oder ich bleibe halt doch dem VDP treu. Und ich nahm mir fest vor, an meine Berufung als Winzerin zu glauben und hielt die Augen nach Mann mit Weingut stets offen. Zugegeben, es gab Zeiten, an denen ich selbst nicht mehr an die Verwirklichung meines Traumes glaubte, aber meine innere Stimme sagte mir immer wieder, dass da noch was kommen würde, dass ich zu mehr „berufen“ sei….

Als dann die Mail von Erhard Heitlinger kam, der mir von einem Schweizer Mandanten erzählte, der ein Weingut und eine passende Frau dazu suche, schien mir der Wink des Schicksals zu deutlich und unglaublich, so dass ich das Ganze eher scherzhaft aufnahm. „Schade, dass ich kein Weingut habe…“ schrieb ich zurück. Erhard klärte mich prompt auf, dass der Besitz eines Weinguts keine Grundvoraussetzung für seinen Mandanten sei 🙂

Kurz und gut, Urban und ich haben uns nach ein, zwei Telefonaten zu einem fast „Blind Date“ getroffen und unser Schicksal nahm seinen Lauf …

Fortsetzung folgt….

 

Einjähriges

1. November 2014 | von Eva in Allgemein - (2 Comments)

Heute vor einem Jahr war Urbans erster Tag in Deutschland.

Am 31. Oktober übergab er die gepachtete Käserei an seinen Nachfolger, packte seine letzten Sachen aus der zur Käserei gehörenden Wohnung, aß mit den Eltern zu Mittag und fuhr dann in sein neues Leben nach Deutschland, genauer gesagt in meine kleine Wohnung in Gau-Algesheim.

Die neue Eigentumswohnung der Langs war noch im Rohbau, so dass Urban bis zum März jeden Tag von der „Ebsch Seit“ mit der Fähre in den Rheingau fahren mußte. Urban war davon gar nicht begeistert, zumal es bis zum Umzug dann länger dauerte, als er zunächst gehofft hatte, doch ich fand diese Zeit mit ihm sehr schön und angenehm. Ich betrachtete es als eine Art „Galgenfrist“ und Eingewöhnungszeit, bevor das Weingut uns mit Haut und Haaren verschlingen würde…

So fuhr Urban, der die letzten 14 Jahre in der Schweiz in seinem Unternehmen selbstständig gearbeitet und gelebt hat, jeden Tag wie ein Angestellter in sein Weingut und fuhr abends wieder nach Hause. Ich war zu der Zeit noch voll und ganz beim VDP engagiert und genoß es sehr, dass am Abend jemand da war, für den ich etwas kochen konnte, oder mit dem ich rasch noch zum Essen ging. Beide waren wir ja Singles und kannten ein Leben zu zweit bisher nicht.

Was für ein Risiko, nach nur 11/2  Jahren Fernbeziehung zusammen zu ziehen und ein Weingut zu beteiben! mag da mancher denken, aber nur, wenn man Urban nicht kennt. Ich versuche zwar auch ständig, im Sinne der Zweisamkeit, meine Bestimmtheit und mein energisches und kritisches Wesen im Zaum zu halten, aber ohne Urbans fast stoische Geduld mit mir, seine Anpassungsfähigkeit, Bescheidenheit und seine so zugewandte und freundliche Art, hätten wir sicher mindestens einmal wöchentlich einen größeren Disput. Es ist wirklich ein Traum, der da in Erfüllung gegangen ist. Urban hat mir nicht nur meinen Traum von einem Weingut erfüllt, sondern ist der beste Partner und Lebensgefährte, den ich mir selbst in den kühnsten Träumen nicht hätte ausmalen können….

Und deshalb schreibe ich diesen Beitrag als Liebeserklärung an Urban, denn wir haben heute gar nicht die Zeit und Muße sein erstes Jahr in Deutschland zu feiern und wahrscheinlich denkt Urban, der bereits unterwegs zur Spätburgunder Probe ist, selbst überhaupt nicht daran. Aber als mein treuester Blog Leser, wird ihm dieser Eintrag sicher nicht entgehen…

Mein erster Besuch in der Schweiz (Sommer 2012)

 

Warum dieser Blog?

29. Oktober 2014 | von Eva in Allgemein - (3 Comments)

Bislang gibt es nur sehr wenige Reaktionen auf meinen Blog. Ich habe ihn auch noch nicht nachhaltig beworben, außer einem Hinweis auf Facebook und einmal in unserem Kunden-Newsletter. Bin gar nicht sicher, ob es überhaupt jemanden interessiert, und daher auch etwas zurückhaltend, denn eigentlich schreibe ich diesen Blog für mich selbst. Die Öffentlichkeit des Blogs ist nur der selbstgemachte Druck den ich brauche, um auch durchzuhalten. Eigentlich bin ich seit meiner Pubertät (bei diesem Wort vermisse ich ein Rechtschreibprogramm in meinem Blog…) Tagebuchschreiberin – zugegeben mit großen Lücken. Aber wichtige Briefe, auch welche, die ich selbst geschrieben und dann kopiert habe, hebe ich immer auf. Man lernt beim Nachlesen der Tagebücher und Briefe (heutzutage sind es die Mails) so viel über sich selbst und warum ich so geworden bin, wie ich bin. Natürlich ist mir eine Grundstruktur im Wesen bereits in die Wiege gelegt worden, aber ich bin überzeugt, dass das Leben und vor allen Dingen die ersten 15 Jahre im Leben (aber auch alle weiteren Lebensjahre) diese Grundstruktur enorm beeinflussen und dabei einige Charakteristika verstärken und andere fast ausblenden können. Und im Nachlesen bzw. Bewusstwerden was da mit mir und um mich geschehen ist, erkenne ich mich selbst. Wenn ich mich selbst erkenne dann kann ich auch zu mir stehen, oder eben versuchen, mich zu verändern. Auch davon bin ich überzeugt, spätestens seit ich Gerald Hüthers „Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn“ gelesen habe: der Mensch kann sich sein ganzes Leben lang verändern. Seine Verhaltensweisen sind nicht mit der Geburt vorprogrammiert, sondern die Erfahrungen des Lebens graben einige Schaltmuster und Mechanismen in das Gehirn ein. Im Unterschied zum Tier ist der Mensch jedoch zeit seines Lebens in der Lage, neue Schaltmuster und Mechanismen dazuzulernen und andere zu vergessen.

Beweis dieser Theorie bin ich selbst – und Urban. Zugegeben noch befinden wir uns mitten in der Beweisführung und es kann uns noch nicht attestiert werden, dass wir unsere neuen Schaltmuster bereits erfolgreich einsetzen. Aber wir selbst spüren intensiv, dass wir mit jedem Tag etwas sicherer werden und dass unser neues Leben gelingen wird.

Und damit dieser Prozess, den zu erleben wir als einmaliges Geschenk empfinden, nicht vielleicht eines Tages vom Alltagstrott überschattet und vergessen wird, möchte ich diesen Blog schreiben.

Natürlich könnte ich auch wie bisher „nur“ Tagebuch schreiben, aber es gibt so viele Menschen, die uns mit Ihren Worten, Gedanken und Wünschen auf unserem Weg begleiten, die ein echtes Interesse an uns haben. Und diesen Menschen ist dieser Blog vor allen Dingen gewidmet.

Und warum ich gerade heute so philosophisch werde? Die Redakteurin des Zeit-Magazins Heike Faller war heute zum Abendessen bei uns. Sie hat vor einigen Monaten das Thema Wein entdeckt – nicht in erster Linie als Genussmittel für sich selbst, sondern eher als Stoff für ihr Buch, das sie plant in 2016 zu schreiben. Worum genau es in diesem Buch geht, weiß sie noch nicht, das recherchiert sie gerade und es besteht eine klitzekleine Chance, dass es sogar die Geschichte von Urban und mir und dem Weingut Hans Lang sein wird. Aber egal ob unsere Geschichte oder etwas ganz anderes. Mich hat Heike Faller mit ihren gezielten, professionellen und gleichsam einfühlsamen Nachfragen extrem inspiriert und motiviert, unsere Geschichte hier zu erzählen und für Alle, die es jetzt oder irgendwann später interessiert, festzuhalten.

Denn es ist eine faszinierende und spannende – allerdings vom Alltag bedrohte – Geschichte…. Darum also dieser Blog…