Weinlese 2015 – Tag 10

9. Oktober 2015 | von Eva in Allgemein | Weingut

Jetzt sind wir mittendrin in der Lese und vielleicht auch schon bald am Ende. Das Wetter in dieser Woche fing unbeständig und mit etwas Regen an, wurde dann aber immer stabiler. Heute blitzte häufig die Sonne hinter den Wolken hervor.

Da nun schon ca. die Hälfte der Trauben im Keller sind, und die, die noch draußen hängen wunderbar gesund aussehen, ist die Anspannung nicht mehr ganz so groß. Wir sind sehr zufrieden mit den Werten der Trauben, auch wenn die Säure beim Riesling immer noch nicht auf „Normalniveau“ gesunken ist. Die Öchslegrade liegen nun durchweg zwischen 90 und 100, so dass wir eigentlich nicht mehr länger warten müssen. Wenn das Wetter mitspielt wird die Lese also Mitte bis Ende nächster Woche beendet sein. Bis auf… Na mal sehen, ob Urban versuchen wird sich seinen Traum vom Eiswein zu erfüllen. Es gab jedenfalls viele Spinnen im Herbst, und das ist nach einer alten Bauernregel ein gutes Zeichen für einen kommenden kalten Winter.

Wenn im September viele Spinnen kriechen, sie einen harten Winter riechen.“

Auffällig in diesem Jahr ist die ungleiche Reife der Trauben in einem Weinberg. Da gab es goldgelbe reife oder überreife und gleichzeitig grüne Trauben, manchmal selbst am gleichen Stock. Die Hitze und vor allem die Trockenheit haben dazu geführt, dass die Reben in eine Art „Sommerschlaf“ gefallen sind und die Trauben nicht mehr gleichmäßig versorgt haben. Daher mussten wir diese Woche in mehreren Weinbergen eine Vorlese machen, die dann separat von den noch hängenden Trauben gepreßt, vergoren und ausgebaut wird. Erst wenn der Wein fertig ist, wird darüber entschieden, ob die Partien wieder miteinander verschnitten werden um sich in ihren analytischen aber vor allen Dingen geschmacklichen Werten wieder zu ergänzen. Normalerweise liest man die reiferen und edelfaulen Trauben zuerst und läst die noch unreiferen hängen. Im Falle des Spätburgunders haben wir es aber umgekehrt gemacht. Hier wurden die unreiferen Trauben zuerst gelesen, denn diese werden zu Blanc de Noir verarbeitet und der darf ruhig etwas frischer und rassiger sein. Die reiferen Trauben wurden direkt im Anschluss für den Rotwein gelesen und der widerum braucht vollreifes, gesundes Lesegut.

Von grün bis rot, die Farben des Rieslings 2015

 

Mit unserer Erntemannschaft sind wir sehr zufrieden, wobei ich persönlich es sehr bedauere, dass man sich gar nicht austauschen kann, weil die Deutschkenntnisse der 11 Polen und 4 Rumänen – und unsere Polnisch- und Rumänischkenntnisse – äußerst bescheiden bis gar nicht vorhanden sind. Mit Händen und Füßen wird erklärt was zu tun ist, und das war es dann auch schon. Man könnte zwar auch sagen: ein Lächeln sagt mehr als 1000 Worte, aber wie bringt man 10 gestandene polnische Männer zum Lächeln, wenn man selbst ständig unter Anspannung steht? Gar nicht so einfach. Einzig, als ich zum dritten Mal am Abend anbot, ob sie Wurstsalat (den von Natur Pur übrig gebliebenen) mit nach Hause nehmen wollten (nachdem sie auch schon zwei Mal zum Mittagessen Wurstsalat gegessen haben) entstand eine amüsierte Stimmung, als Marcin heftig abwehrte… 🙂

 

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