Es gab einen VDP.Kollegen, der mir 2 Wochen nach der Ernte sagte, dass die 2014er Ernte die schwierigste seiner bisherigen Erfahrung gewesen sei. So schwierig hatten Urban und ich die Ernte eigentlich nicht empfunden, wir kannten es ja nicht anders. Ein wenig anstrengend war es natürlich, aber dass der Winzertag nicht nur 8 Stunden hat, das wußten wir ja schon. Das Schlimmste an diesen letzten beiden Wochen der Lese (die ersten beiden Wochen ab Mitte September war das Wetter noch wunderbar) war im Rückblick der tägliche Blick auf den Wetterbericht mit dem Regenradar, verbunden mit der Frage, auf die niemand eine Antwort hatte: wird es in absehbarer Zeit doch nochmal trocken und sonnig werden…? Diese Ungewissheit und die damit verbundene Unsicherheit, wie wir das Lesemanagement für den nächsten Tag gestalten sollen, das war für schon etwas nervenaufreibend. Also doch eine schwierige Ernte… Doch damit sind wir ja nun gut gewappnet auf das was kommen mag und egal wie schlimm es kommt – wir haben eine Ernte mehr Erfahrung als in 2014…

Die Gärung verlief wunderbar zügig und wir waren froh, dass wenigstens ein Fass in der Gärung stehengeblieben ist, denn diese Restsüße brauchen wir jetzt, um dem ein oder anderen trockenen Wein noch etwas mehr Balance in Form von ein paar Gramm Restzucker mit auf den Weg geben zu können.

Und dann kamen ab dem Januar die ersten spannenden Momente der Jungweinproben, mal alleine bei uns im Weingut, mal zusammen mit Kollegen und Experten und schließlich bei den ersten offiziellen Präsentationen wie der ProWein in Düsseldorf und der Weinbörse in Mainz.

Seit wir die Entwicklung eines Weines vom Fass bis hin auf die Flasche und anschließender Flaschenreife so hautnah erleben, wird uns bewußt, dass jede Einzel-Verkostung eines Weines nur eine ganz kurze Momentaufnahme im Leben eines Weines reflektiert, so wie eine einzige Seite in einem dicken Familien-Fotoalbum.

So hat der Geschmack des Weines so lange er noch auf der Hefe liegt kaum Ähnlichkeit mit dem gefilterten Wein. Und einmal gefiltert schmeckt der Wein bei jeder Probe anders, sei es weil man selbst in jeweils anderer Stimmung ist, sei es weil der Wein mal wieder einen gewaltigen Entwicklungssprung seit der letzten Probe gemacht hat. Nur wenige, der ganz herausragenden bzw. anders schmeckenden Fässer erkennt man immer wieder – auch in einer Blindprobe – heraus.

Bis dann der Tag der Abfüllung kommt. Der Wein scheint in einer Art Schockzustand und wir werden es tunlichst vermeiden, ihn künftig früher als 3 Wochen nach der Abfüllung zu verkosten, so deprimiert waren wir nach der Verkostung der ersten Abfüllung des 2014er Gutsweines…

Beseelter Wein und dann so ein Abfüll-Monstrum. Muss da der Wein nicht geradezu in einen Schockzustand fallen…?

Umso glücklicher waren wir dann, dass unser erster Jahrgang bei der ProWein und Weinbörse mit viel Lob bedacht wurde. Und auch wir haben natürlich den ein oder anderen Kollegenwein verkostet und fanden unsere „Babys“ mindestens genauso schön. Und ganz sicher nicht nur, weil das  frischgebackenen Eltern eben immer so geht 🙂

Ob unsere Erziehung jedoch in genau die von uns gewünschte Richtung geführt hat, das werden wir erst in ca. 6 Monaten sehen, dann werden die Weine aus ihrem Pubertäts-Stadium hinaus sein, sich in ihrer ganzen Schönheit zeigen und sicher manch bisher ungeahnten, ganz eigenständigen, Charakterzug entwickelt haben.

Klarheit, Präzision und Rückrat zeigen Sie auch heute schon – die Anlagen für etwas ganz Großes sind also gelegt…

 

Auch wenn man alles im Weinberg, bei der Lese und dem Ausbau richtig gemacht hat – die Cuvée ist alles entscheidend…

Während wir fast ungeduldig darauf warten, dass die Reben wachsen und es wieder Arbeit in den Weinbergen gibt, beschäftigt uns in den letzten Wochen die Einordnung der einzelnen Fässer zu den Cuvées der verschiedenen Rieslingweine. Was das heißt ist wohl den wenigsten Weinliebhabern bewußt, aber ich finde das eine so spannende neue Erfahrung, dass ich diese unbedingt hier teilen möchte.

Fangen wir von oben an, bei unserer VDP.GROSSEN LAGE dem Hattenheimer Wisselbrunnen.

Nach der Vorlese der bereits von Botritys befallenen Trauben, haben wir das gesunde Lesegut an drei aufeinanderfolgenden Lesetagen geerntet und jeweils separat in Edelstahlfässern ausgebaut. Jedes dieser Fässer hat eine eigenen Geschmack und auch die Säure und Restzuckerwerte variieren etwas. Da wir aber nur den Wein mit den besten Anlagen für eine gute Flaschenreife und mit dem klaren und präzisen Geschmacksbild unserer Vorstellung unter der Bezeichung Wisselbrunnen vermarkten wollen, braucht es schon gewisse hellseherische Fähigkeiten in diesem frühen Stadium die wahre Qualität – sprich das Entwicklungspotential – des Weines zu erkennen und zu entscheiden welches Fass das Rennen machen wird.Und nur dieses Fass bleibt noch eine Weile unberührt im Keller zur Reife liegen, während die anderen Weine aus dieser Lage in die Kategorie des Hattenheimer Ortsweins herabgestuft werden.

Genauso verhält es sich mit den Fässern aus der VDP.ERSTEN LAGE Hattenheimer Schützenhaus. Unser Besitz in dieser Lage ist ziemlich groß, so dass wir auch hier nur die allerbesten Fässer unter dem Lagennamen vermarkten werden, auch wenn wir die gesamte Fläche mit den gleichen Qualitätsanforderungen wie z.B. Ertragsreduzierung und maximaler Reife der Trauben erzeugt haben.

Wenn die Entscheidung bezüglich der Lagenweine gefallen ist, sollte man meinen, dass sich die VDP.ORTSWEINE von ganz alleine ergeben, nämlich alle Weine aus Hattenheimer Lagen kommen in den Hattenheimer und alle Weine aus den Hallgartener Lagen (z.B. Hendelberg, Schönhell, Jungfer) werden in den Hallgartener Ortswein cuvéetiert. Was aber, wenn in diesem Jahr die Weine aus Hattenheim insgesamt schlanker sind und mineralischer schmecken als die Weine aus Hallgarten? Wo es doch im letzten Jahr genau anderesherum war und das eigentlich auch logischer ist, da die Hallgartener Lagen 100 – 200 Meter höher liegen als die Hattenheimer….!?  Da gilt es jetzt ganz genau und immer wieder hinzuschmecken und die Weine in kleinen Probemengen miteinander zu verschneiden um eine Idee von dem Endergebnis zu erhalten, das am Ende die unterschiedliche Charakteristik der beiden Herkünfte zeigen soll.

Aus den Weinen, die dann absolut „aus der Reihe“ tanzen, entsteht der Gutswein. Und deshalb ist der Gutswein auch die Visitenkarte des Weinguts. Denn in den Spitzenbetrieben, zu denen wir uns zählen,  werden alle Weinberge mit Sorgfalt bearbeitet und die Trauben mit maximal möglicher Reife geerntet. Der Gutswein ist also keine Cuvée aus minderwertigen Weinen, sondern aus Weinen, die entweder aufgrund ihrer Stilistik nicht in die jeweilige Herkunftskategorie passen oder die der „Auslese der Besten zum Opfer gefallen“ sind.

In jedem Fall trägt der Gutswein die Handschrift des Weinguts und so sollte man bei der Beurteilung eines Weinguts diesem Basiswein seine ganze Aufmerksamkeit schenken, denn in ihm vereinen sich letztlich die gesammelte Qualitätsanstrengungen des Winzers. Nicht umsonst wird der Gutswein auch als Visitenkarte des Weinguts bezeichnet.

 

Ökologischer Weinbau

22. Februar 2015 | von Urban in Allgemein | Weingut - (0 Comments)

Vergangene Woche nahm ich an einem einwöchigen Kurs zum Thema „Einführungskurs ökologischer Weinbau“ teil, den der Ökoverband ECOVIN im Kloster Jakobsberg durchgeführt hat.

In der Einleitung des Programmflyers hieß es:

„Hohe Betriebsmittelaufwendungen, Verluste an wertvoller Bodenkrume, Nitratauswaschungen und administrativ festgelegte Mengenerträge haben auch im Weinbau in den letzten Jahren ein Umdenken herbeigeführt. Immer mehr Winzer versuchen auf chemisch – synthetische Stoffe zu verzichten.
Gerade der Weinbau ist als Monokultur ein sehr anfälliges System, dass durch intensive pflegerische Maßnahmen geschützt werden muss. Der ökologische Weinbau bietet Maßnahmen und Verfahren an, mit denen die Gesundheit von Boden und Reben langfristig gefördert und erhalten werden kann…. “

Rechts: unsere Weinberge im Herbst 2014, beide Gassen begrünt

Nachdem ich im letzten Jahr hautnah erleben durfte welche Vor- aber auch Nachteile ökologischer Weinbau hat, (unser Weingut ist seit dem Jahrgang 2012 zertifiziert) war ich natürlich sehr gespannt was die Referenten zu verschiedensten Themen zu berichten wussten. Eine Weiterbildung ist ja immer ein Abgleichen von Theorie, Praxis und den eigenen Vorstellungen.

Die rund 30 Teilnehmer kam aus allen Teilen Deutschlands und sogar eine kleine Gruppe aus Holland war dabei. Von Weinhändler über Hobbywinzer bis hin zu Profis war alles vertreten.

Der erste Tag:
Der vielfältige Themenreigen begann am ersten Tag mit dem Vortrag „ der Boden als Grundlage des ökologischen Weinbaus – der Boden als lebendiger Organismus“. Ein sehr spannendes Thema. Die Wetterschwankungen werden immer extremer. Das Klima wird wärmer, die trockenen Perioden werden immer länger, aber auch die Niederschläge werden immer intensiver. Viele Böden sind mit dieser Situation überfordert und so kommt es, dass die Maschinen und Vollernter tiefe Spuren hinterlassen, die man nicht so einfach wieder beheben kann.

Eines der Hauptanliegen des ökologischen Weinbau ist daher die Begrünung der Gassen zwischen den Reben und deren Bearbeitung, denn durch gezielte Maßnahmen kann man hier dem Boden wieder richtig Leben „einhauchen“. Oft ist es so, dass jede zweite Gasse umgebrochen wird und die andere mit einer Begrünung versehen ist, und nach ca 3 Jahren wird gewechselt. So wurde es auch im Weingut Hans Lang praktiziert.
2014 wollte ich nun die offene Gasse mit einer vielseitigen Samenmischung einsäen und die bisherige begrünte Zeile umbrechen. So weit so gut. Ich wählte sorgfältig aus mehreren Anbietern und Samenmischungen meine Aussaat der Wahl, und bereitete alles perfekt für die Einsaat vor. Der Samen wurde ausgebracht und wir warteten auf die ersten grünen Spitzen. Jedoch hatten wir nicht mit dem warmen und trockenen Frühjahr gerechnet, denn der Samen benötigte bald dringend Regen, der leider nicht kam. Die Einsaat wuchs so langsam und so schwach, dass ich sehr enttäuscht war. Die ganze Arbeit war fast vergebens…!!!
Als dann der Boden dann doch noch grün wurde, war der Zeitpunkt für das Umbrechen der alten Gasse schon zu spät, denn mit dem Umbrechen des Bodens wird viel Stickstoff freigesetzt. So ein Stickstoffschub, der wie eine riesige Düngemitteldosis wirkt, war zu diesem Zeitpunkt jedoch absolut unerwünscht, da die einzelnen Beeren an der Traube sehr groß und sich in der Reifephase gegenseitig abquetschen würden…. und das hieße große Fäulnisgefahr.
Also was Tun??? Wir entschieden, den Weinberg auf Vollbegrünung umzustellen. Das heißt seither ist bei uns jede Gasse ist begrünt und dadurch besser befahrbar. Im Oktober 2014, der ja bekanntlich extrem nass war  wurde sehr viel Wasser von den Gräsern aufgenommen und stand damit nicht den Reben zur Verfügung. Die Beeren wurden nicht zu prall und somit blieben unsere Reben länger gesund, was uns von den Kollegen im Ort mehrfach bestätigt wurde. Fazit: Glück im Unglück!

Der zweite Tag:
„ Nährstoffversorgung im System ökologischer Weinbau“
Ebenfalls ein sehr spannendes Thema. Ziel muss es sein, das Bodenleben so zu versorgen dass sich die Rebe darin wohl fühlt und keine Mangelerscheinungen zeigt. Ein Satz der sich vielleicht im ersten Moment komisch liest, aber ist tatsächlich so. Ein intakter Boden der keine Bodenverdichtungen hat, viele Bodenlebewesen besitzt ( Regenwürmer… ) ist ein guter Weinbergs Boden. Und wie bekommt man so einen Boden? Einerseits ist hier auch die Begrünung der Gassen extrem wertvoll und zusätzlich bringen wir regelmäßig – vor allen Dingen dort, wo die Reben ein eher schwaches Wachstum oder Mangelerscheinungen zeigen, organische Dünger (Kompost) in den Weinberg ein.

Dritter Tag.
„Pflanzengesundheit im ökologischen Weinbau“
Es ist nicht so, dass im ökologischen Weinbau nicht gegen Krankheiten gespritzt wird, aber es sind ganz andere Mittel wie in konventionellen Weinbau. Der Pflanzenschutz kann für Ökobetriebe sehr schwierig sein, und dies ist wohl auch der häufigste Grund warum nicht mehr Winzer auf ökologischen Weinbau umstellen. Die konventionellen Mittel dringen in die Pflanze ein und wirken dadurch stärker und auch länger und bieten dem Winzer mehr Sicherheit.
Wir dagegen nutzen Mittel (Schwefel und Kupfer), die „nur“ an der Oberfläche der Rebe wirken und schützen damit die Rebe vor Peronospora (falscher Mehltau) und Odium (echter Mehltau). Weitere organische Mittel, die wir verwenden stärken die Rebe und machen sie widerstandsfähig gegen Krankheiten. Man könnte das auch als „Hilfe zur Selbsthilfe“ bezeichnen…

Vierter Tag:
„ Richtlinien, Kontrolle und Deklarationsfragen“
Ohne Bürokratie geht es leider nicht… so wurde uns erklärt was wir z.B. auf das Etikett schreiben müssen und wie gross die Buchstaben dafür sein müssen. Dieser Workshop war für mich persönlich nicht besonders interessant, da unser Weingut ja schon auf ökologischen Weinbau umgestellt ist. Da mehrere Gruppen gebildet wurden, konnte ich jedoch unserer Gruppe verschiedene Tipps geben auf was man bei einer Umstellung achten muss.

Fünfter Tag:
„ biologisch – dynamischer Weinbau“
Die Einführung gab uns einen Einblick in den biologisch – dynamischen Weinbau und seine Umsetzung in der Praxis. Ein zweiter Teil war die Bedeutung der Präparate und der deren Einsatz in der Praxis.
Da mich dieses Thema extrem interessiert und ich auch schon die ein oder anderen „Maßnahme“ in 2015 fest eingeplant habe, werde ich zu diesem Thema ein anderes Mal berichten…

Die Amtliche Prüfungsnummer

19. Februar 2015 | von Eva in Allgemein | Weingut - (2 Comments)

Zwar war ich auch beim VDP ein „Hansdampf in allen Gassen“, sprich die Aufgabengebiete waren äußerst vielfältig, aber so langsam beschleicht mich der Verdacht, dass ein Weingut noch mehr Herausforderungen bietet. Diese sind zwar immer begrenzt auf den eigenen kleinen Weinguts Kosmos, und der Zeitdruck, den die ein oder andere Aufgabe mit sich bringt, entsteht nicht gar so häufig wie bei meiner früheren Aufgabe, aber die Fragestellungen und die „Fettnäpfchen“ in die man hineintreten kann sind schon äußerst vielfältig.

Dazu kommt, dass wir beide ja Quereinsteiger sind, und daher das Winzerleben nicht von der Pike auf gelernt haben. Uns fehlen nicht nur die Lehr-, sondern auch die Gesellenjahre und doch stehen wir täglich vor den Aufgaben eines Meisters, zumal Hans Lang nicht mehr ständig hier ein und aus geht und wir auch keine Standleitung nach Eltville eingerichtet haben…

Beispiel gefällig?
Bestimmt lernt man bereits als Azubi, dass man den gleichen Wein auf gar keinen Fall unter zwei verschiedenen AP Nummern (Amtlichen Prüfungsnummern) auf den Markt bringen darf. Und eigentlich gibt es auch gar keinen Sinn, aber es kann eben passieren. So geschehen, als ich die Eigenausstattungs Etiketten für zwei unterschiedliche Kunden gestalten und drucken ließ. Beide Kunden bekommen den gleichen Wein, aber da anfangs nicht ganz klar war, ob es vielleicht doch zwei Abfüllungen mit unterschiedlichen Inhalten geben wird, habe ich im Ordner für die AP Nummern Anträge schon mal zwei Nummern reserviert und auch in die jeweiligen Etiketten eindrucken lassen.

Als Hans sich die fertig gefüllten und etikettierten Flaschen angesehen hatte, war er ganz aus dem Häuschen… Offensichtlich hatte ich ein „Kapitalverbrechen“ begangen, das man hierzulande mit „Verbrauchertäuschung“ betitelt und für das man ziemlich hart bestraft werden kann.

Zum Glück musste ich jedoch nicht die Etiketten von Tausenden Flaschen von Hand wieder abfriemeln, sondern es gibt die Möglichkeit eine Ausnahmegenehmigung beim zuständigen Regierungspräsidium in Darmstadt zu beantragen…
Diese gibt unser lieber „Überwachungsstaat“ selbstverständlich nicht kostenlos, sondern es wird eine Gebühr erhoben, die sich nach dem Wert der falsch ausgestatteten Ware richtet. Glück gehabt: Wir kommen mit der Mindestgebühr von 240 Euro davon…. Jedoch, jeden Tag wäre so ein „Lehrgeld“ auf Dauer etwas zu viel….

Und damit auch die Weinlaien unter unseren Lesern heute etwas dazulernen können, hier mal die Entschlüsselung der AP Nummer, die sich auf jedem Etikett eines in Deutschland abgefüllten Weines befindet:
Zunächst liest man die Ziffer von rechts: Die ersten beiden Zahlen, sind die Jahreszahl des Jahres in dem der Wein zu AP Prüfung angestellt wurde. Das ist im Normalfall das Jahr nach der Lese, bei einem Rotwein kann das aber schon mal ein oder zwei Jahre später der Fall sein. Aber irgendwann kommt ein Wein in die Flasche, und wenn man ihn dann auch verkaufen will braucht er diese AP Nr.
Die nächsten drei Ziffern werden der Reihe nach vom Winzer für die einzelnen Weine / Abfüllungen vergeben. Also 001, 002, 003, usw bis theoretisch 999… So viele verschiedene Weine haben wir zum Glück nicht…
Und alles was dann folgt ist die Betriebsnummer. So ähnlich wie jeder Betrieb und jeder Mensch eine Steuernummer hat. Bestimmt gibt es hier auch noch weitere Indizien die erkennen lassen, aus welchem Bundesland der Betrieb kommt usw., aber das hat mir mein bisheriges Lehrjahr noch nicht vermittelt. Und für Wein-Laien ist das hoffentlich auch eher uninteressant.

Und übrigens, die AP Nr. bekommt man natürlich nicht einfach so – und auch nicht umsonst – sondern der Wein wird in einer Blindverkostung getestet und nur wenn die Qualität für gut befunden wird, erhält der Wein auch die Nummer. Das nennt man hierzulande „Qualität im Glas“.

Bezahlen muss man die Gebühr aber auf alle Fälle, auch wenn der Wein die Prüfung nicht geschafft hat. Das ist uns Gottseidank noch nicht passiert….

01_VB_WeingutHansLang_0003

Alles begann mit einem Traum. Der Traum vom eigenen Weingut. 2013 ist er Wirklichkeit geworden und wir stecken schon mittendrin. Urban Kaufmann war bis 2013 noch in der Schweiz als Leiter einer der erfolgreichsten Appenzeller-Käsereien aktiv. Und ich, Eva Raps, war noch Geschäftsführerin beim VDP in Mainz. Das alles liegt jetzt schon eine gefühlte Ewigkeit hinter uns, es wirkt wie ein anderes Leben. Was wir jetzt erleben, ist etwas vollkommen anderes. Eine gewaltige Herausforderung, herrliche Natur und wunderbare Erfahrungen. Oder anders gesagt: Rheingauer Wein. Es ist unglaublich!
Schritt für Schritt setzen wir zusammen mit Hans Lang um, was wir uns vorgenommen haben.
Wir freuen uns, dass Sie uns auf diesem Weg begleiten. Wir sind gerne für Sie da!

EVA RAPS UND URBAN KAUFMANN

Das wird spannend werden, zu beobachten, ob es wirklich stimmt, dass der Wein nach dem Weinberg schmeckt. Unsere Weinberge liegen alle ziemlich dicht beieinander. In den Gemarkungen Hattenheim und Hallgarten. Klar gibt es da Unterschiede der Böden, Hangneigungen, und Ausrichtungen und die Weine schmecken jetzt schon ganz unterschiedlich. Aber werden wir im nächsten Jahr Ähnlichkeiten in der Charakteristik der Weine aus bestimmten Lagen wiedererkennen? Die VDP Klassifikation – nach der wir unser Wein-Sortiment ausgerichtet haben – fußt ja ganz auf dieser Überzeugung. Aber bisher kenne ich das nur aus der Theorie. Es tatsächlich an den eigenen Lagen und Weinen nachvollziehen zu können, wird ein spannendes Thema unter all unseren „neue Erfahrungen“.

Unter Terroir versteht man beim Wein die Gesamtheit aller Einflüsse auf den Geschmack. Man schmeckt den Boden, das Klima und letztlich auch die Arbeit des Winzers. Der Wein bringt sein Terroir geschmacklich zum Ausdruck. Nicht nur die Rebsorte, auch das Terroir auf dem sie gewachsen ist prägt den Wein.

Auch wir Menschen haben unser Terroir. Man kann seine Herkunft nicht verleugnen. Wir alle kennen Advents- und Weihnachtsbräuche aus unseren Herkunftsfamilien. Die Art der Wohnungsdekoration, die zubereiteten Speisen, Gerüchte und Geschmack, Optik und Abläufe der adventlich geprägten Zeiten haben meist eine wohlige Erinnerung an Kindheit. Der Advent wird nie ein trendiges Fest werden, es wird immer den Geruch des Konservativen haben, des Bewahrens von guten Dingen. Advent wird nie neonhipp, es wird immer kerzentraditionell sein. So wie der Wein seine Herkunft immer im Geschmack mit sich trägt, so tragen wir Erinnerungen und Liebgewohntes mit uns.

HEUTE erinnere ich mich an die schönen Adventsbräuche meiner Kindheit. Was möchte ich im Advent auf keinen Fall vergessen, was erinnert an schöne Tage, was möchte ich an die Jüngeren weitergeben. Das gilt es zu pflegen und auch gegen zu kommerzielle Trends und Modeerscheinungen, dem Druck des Konsums zu verteidigen.

Hoffentlich wird die Kirschessigfliege nicht zur Reblaus unserer Tage… Wir selbst kamen 2014 nochmal davon, aber an anderen Orten war es wohl ziemlich kriminell.

Gestern haben wir unsere Spätburgunder, die wir kerngesund ernten konnten, verkostet. Ob im Doppelstück-Fass oder in den Barriques alle haben uns richtig gut gefallen. Bis vor Kurzem konnte man die Roten noch gar nicht probieren, denn erst wenn der biologische Säureabbau weitgehend abgeschlossen ist, läßt sich erahnen was aus den Weinen werden wird.

Dann kommt der Einfluss des Holzes hinzu. Hier sind wir noch unschlüssig und ganz gespannt, ob das Tanin und die Rauchigkeit, die vom Fass des Holzes auf den Wein übertragen werden in den nächsten Monaten stärker zu schmecken sein wird. Wieviel davon gibt das Fass gleich in den ersten Wochen ab und wie nimmt der Wein das Ganze auf? Sehr spannend!

Überhaupt ist die Begleitung der Weine vom Most bis zur Reife, eine der spannendsten neuen Erfahrungen, die wir machen dürfen. Als Weintrinkerin hatte ich mehr oder weniger nur Einzelflaschen im Keller. Jetzt verkosten wir permanent in kurzen Abständen die gleichen Weine – und jedes mal wirken sie anders. Zum Einen liegt das immer auch am Ort und Zeitpunkt der Verkostung, dem Glas, der Temperatur des Weines, der eigenen Stimmung… aber der Wein entwickelt sich ja permanent und gerade in den Wochen und Monaten nach der Abfüllung sind die Fortschritte bzw. das was wir in den Weinen wahrnehmen enorm unterschiedlich.

 

Die Reblaus ist der natürliche Feind der Weinrebe. Sie ernährt sich von ihrem Blatt- und Wurzelwerk bis die Rebe abstirbt. Einer unser natürlichen Feinde ist auch eine Laus, eine Laus, die uns über die Leber gelaufen ist. Sie zehrt an unseren Nerven, saugt uns aus und lässt unsere Freude absterben.

Es liegt in unserer Macht, die Adventszeit zu einer „lausfreien Zeit“ zu machen. Ärgern Sie sich nicht: Wenn die Schlange bei den Weihnachtseinkäufen an der Kaufhauskasse so lange ist und Sie dringend zum nächsten Termin müssen. Wenn die Frau neben Ihnen das letzte Videospiel aus dem Regal genommen hat, das Sie Ihrem Sohn schenken wollten oder wenn die Plätzchen total verbrannt sind. Die besondere Zeit des Advents ist zu schade um sich zu ärgern. Genießen Sie stattdessen: die wunderbaren Gerüche nach Zimt und Punsch, die erleuchteten Fenster und Plätze in den Städten, die Vorfreude auf Weihnachten.

HEUTE entscheide ich mich, dass mir vor Weihnachten keine Laus über die Leber läuft. Ich genieße den Advent.