Weinlese – Endspurt

14. Oktober 2015 | von Eva in Allgemein | Weingut - (0 Comments)

Mit dem Wetterbericht ist das so eine Sache. In der vergangenen Woche schien das Hochdruckgebiet so stabil, dass für diese gesamte Woche bestes Wetter vorhergesagt wurde. Herrliche Aussichten für die Trauben – ein paar Tage mehr zur vollkommenen Reife und keinerlei Fäulnisdruck in Sicht. Doch am Samstag, Sonntag gab es bereits erste Prognosen von Regenwolken ab Mittwoch. Und so kam es dann auch. Am Dienstag also die letzte Chance „unseren“ Wisselbrunnen zu lesen. Der optimale Zeitpunkt für dieses Erntejahr, denn selbst wenn es nur wenig Regen geben würde, so sind seit Montag die Temperaturen so extrem gefallen, dass sich am Reifezustand der Trauben auch nicht mehr viel ändern würde.

Wenigstens diesen einen Lesetag wollte ich selbst miterleben, die Früchte unserer Arbeit selbst ernten, denn auch in diesem Jahr waren Urban und ich regelmäßig am Abend und am Wochenende im Weinberg um die notwendigen Handarbeiten auf 33ar der Fläche im Wisselbrunnen mit eigener Hand zu erledigen.

Der Regen kam dann sogar noch früher als vorhergesagt bereits am Mittwoch, doch das kann uns jetzt die Stimmung nicht mehr allzu sehr trüben, denn die wichtigsten und besten Parzellen haben wir rechtzeitig in den Keller geholt, wo es jetzt richtig schön duftet und rauscht.

Nur unsere polnischen Erntehelfer sind nicht so glücklich, da sie nun schon wieder zwei Tage ohne Arbeit in ihrer Unterkunft im Rheinhessischen abwarten mußten. Dummerweise hatte das Regenradar für heute den ganzen Tag Regen gemeldet, so dass wir gleich morgens Bescheid gaben, dass nicht gelesen würde. Tatsächlich fing es aber erst am späten Nachmittag zu regnen an…

Ich sag ja, der Wetterbericht ist so eine Sache…  Und wann wir nun tatsächlich die letzte Fuhre heimbringen werden, ja das weiß nur der liebe Gott – dem wir jedoch so oder so dankbar sind, dass wir auch im zweiten Jahr unseres Winzerdaseins keine Naturkatastrophe erleben mußten und unter weitaus einfacheren Wetterbedingungen als 2014 einen noch viel besseren Jahrgang 2015 haben einfahren dürfen.

Von großen Mächten wunderbar geborgen…

Weinlese 2015 – Tag 10

9. Oktober 2015 | von Eva in Allgemein | Weingut - (0 Comments)

Jetzt sind wir mittendrin in der Lese und vielleicht auch schon bald am Ende. Das Wetter in dieser Woche fing unbeständig und mit etwas Regen an, wurde dann aber immer stabiler. Heute blitzte häufig die Sonne hinter den Wolken hervor.

Da nun schon ca. die Hälfte der Trauben im Keller sind, und die, die noch draußen hängen wunderbar gesund aussehen, ist die Anspannung nicht mehr ganz so groß. Wir sind sehr zufrieden mit den Werten der Trauben, auch wenn die Säure beim Riesling immer noch nicht auf „Normalniveau“ gesunken ist. Die Öchslegrade liegen nun durchweg zwischen 90 und 100, so dass wir eigentlich nicht mehr länger warten müssen. Wenn das Wetter mitspielt wird die Lese also Mitte bis Ende nächster Woche beendet sein. Bis auf… Na mal sehen, ob Urban versuchen wird sich seinen Traum vom Eiswein zu erfüllen. Es gab jedenfalls viele Spinnen im Herbst, und das ist nach einer alten Bauernregel ein gutes Zeichen für einen kommenden kalten Winter.

Wenn im September viele Spinnen kriechen, sie einen harten Winter riechen.“

Auffällig in diesem Jahr ist die ungleiche Reife der Trauben in einem Weinberg. Da gab es goldgelbe reife oder überreife und gleichzeitig grüne Trauben, manchmal selbst am gleichen Stock. Die Hitze und vor allem die Trockenheit haben dazu geführt, dass die Reben in eine Art „Sommerschlaf“ gefallen sind und die Trauben nicht mehr gleichmäßig versorgt haben. Daher mussten wir diese Woche in mehreren Weinbergen eine Vorlese machen, die dann separat von den noch hängenden Trauben gepreßt, vergoren und ausgebaut wird. Erst wenn der Wein fertig ist, wird darüber entschieden, ob die Partien wieder miteinander verschnitten werden um sich in ihren analytischen aber vor allen Dingen geschmacklichen Werten wieder zu ergänzen. Normalerweise liest man die reiferen und edelfaulen Trauben zuerst und läst die noch unreiferen hängen. Im Falle des Spätburgunders haben wir es aber umgekehrt gemacht. Hier wurden die unreiferen Trauben zuerst gelesen, denn diese werden zu Blanc de Noir verarbeitet und der darf ruhig etwas frischer und rassiger sein. Die reiferen Trauben wurden direkt im Anschluss für den Rotwein gelesen und der widerum braucht vollreifes, gesundes Lesegut.

Von grün bis rot, die Farben des Rieslings 2015

 

Mit unserer Erntemannschaft sind wir sehr zufrieden, wobei ich persönlich es sehr bedauere, dass man sich gar nicht austauschen kann, weil die Deutschkenntnisse der 11 Polen und 4 Rumänen – und unsere Polnisch- und Rumänischkenntnisse – äußerst bescheiden bis gar nicht vorhanden sind. Mit Händen und Füßen wird erklärt was zu tun ist, und das war es dann auch schon. Man könnte zwar auch sagen: ein Lächeln sagt mehr als 1000 Worte, aber wie bringt man 10 gestandene polnische Männer zum Lächeln, wenn man selbst ständig unter Anspannung steht? Gar nicht so einfach. Einzig, als ich zum dritten Mal am Abend anbot, ob sie Wurstsalat (den von Natur Pur übrig gebliebenen) mit nach Hause nehmen wollten (nachdem sie auch schon zwei Mal zum Mittagessen Wurstsalat gegessen haben) entstand eine amüsierte Stimmung, als Marcin heftig abwehrte… 🙂

 

Die Weinlese beginnt

27. September 2015 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)


Es ist kaum zu glauben, aber schon ist ein ganzes Jahr seit der letzten – unserer ersten – Ernte vergangen. Es hat sich viel getan bei uns. So viel, dass ich nur sehr selten die Zeit und die Muße gefunden habe, meinen Blog zu pflegen. Aber das soll jetzt anders werden – mit meinem Ernte-Ticker.

Morgen geht es los. Es fängt gut an: statt 10 Polen kommen morgen erst mal nur 3, da die anderen wegen einer Autopanne noch in Polen hängen. Zum Glück haben wir noch 4 Rumänen und 2 Italiener rekrutiert und Tanja und Hubert, Freunde aus Deutschland und der Schweiz, sind auch bereits angereist. Morgen folgen Nicole, Bruno und Reinhold – endlich zieht wieder Leben ins Gutshaus ein…

Heute sind wir nochmal alle Weinberge abgefahren. Die Öchselgrade bewegen sich zwischen 78 und 93, je nach Rebsorte und Lage. Vereinzelt gibt es, vor allen bei sehr kompakten Trauben, faule Beern, aber der Wetterbericht für die nächsten 10 Tagen meldet bestes Herbstwetter, so dass noch keine Eile angesagt ist. Der Regen der letzten 14 Tage hat der Aromatik der Trauben geschadet, so dass ein paar Tage zur weiteren Konzentration des Saftes sehr willkommen sind.

Die Voraussetzungen sind also bestens, allerdings haben wir Eines von der Ernte des letzten Jahres gelernt: Auch in den letzten drei Wochen kann noch immens viel geschehen – und das nicht nur zum Guten…. Also bleiben wir bescheiden und demütig und warten geduldig ab, was noch kommen mag.

Weinlese 11.10.

11. Oktober 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Auf meinen SOS Aufruf um Lesehelfer zu aquirieren haben sich spontan Birgit und Thomas gemeldet und heute fleißig gelesen. Der Vormittag war etwas trostlos. In nassem Gras rumstapfend schnitten wir im Hendelberg weiter die essigfaulen Trauben raus, bevor wir in einer Parzelle im Schützenhaus nur die gesunden Tauben rauslasen und die edelfaulen hängen liesen (Hans hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es noch trocken wird und wir dann wunderbare Beerenauslesen ernten könnten). Anschließend ging es weiter in eine andere Parzelle im Schützenhaus, wo wir endlich alles runterschneiden durften. Richtig fix waren dann die Einmer und Butten voll.

Leider sind wir gar nicht glücklich mit der Arbeitsmoral unserer Lesermannschaft, besser gesagt, unserer polnischen Leser. Schon letzte Woche gab es ein paar Mal Diskussionen der Polen mit unserem Außenbetriebsleiter Serdar über Pausenzeiten und weil sie nicht länger als 5 Uhr arbeiten wollten. Am Samstag Abend (nachdem wir eine Runde Steaks vom Grill ausgegeben hatten) mußte Urban sie gar überreden am Sonntag doch bitte, bitte zum Arbeiten zu kommen. Sie willigten dann ein, um 11 Uhr zu kommen. Heute ging es wieder darum, noch 3 große Traubenbehälter voll zu machen, damit die Presse gut gefüllt ist, aber die Herrschaften wollten pünktlich um 17 Uhr Feierabend machen . Angeblich ging es um Einkäufe von Lebensmittel und Brot, was aber nicht sein kann, denn die Geschäfte im Rheingau haben auch am Samstag bis 21.00 Uhr geöffnet…

Obwohl ich als „die Frau vom Chef“ die Lese durchziehen wollte, gab Serdar dann nach und wir fuhren 10 nach 17 Uhr ins Weingut. Kaum waren wir da, waren alle Polen verschwunden und haben nicht mal ihre Stunden in das Buch eingetragen. Urban war stinksauer, weil 1. keiner sich verabschiedet hat, 2. keiner nachgefragt hat, ab wann wir morgen (Sonntag) lesen und 3. der Tresterwagen noch hätte weggebracht werden müssen. Urban ist später zum Campingplatz gefahren, wo die Wohnwägen der Lesehelfer stehen um klar zu machen, dass morgen um 9 Uhr gelesen wird. Allerdings war nur ein Helfer, der kaum deutsch spricht da. Ich bin sehr gespannt, ob die Mannschaft morgen kommen wird. Falls nicht, werden wir die Lese mit dieser Mannschaft sofort zu beenden… Denn es gibt zum Glück noch viele andere fleißige Menschen, die sehr froh sind für jede Stunde die sie Geld verdienen dürfen. Und jetzt gegen Ende der Lesezeit sollte es kein Problem sein, diese Menschen zu finden.

Mit oder ohne die Polen werden wir morgen eine große Gruppe sein, denn meinem „Hilferuf“ sind noch weitere Freunde gefolgt. Anne und Ronny, Thomas Larrisika, Dieter, Heinz und Uli Nagel…. Das verspricht einen vergnüglicher Lesetag!