Um es vorweg zu sagen: In der deutschen Sprache gehören gemeinsam und einsam schon vom Wort her zusammen. Der Heilige Abend bringt nicht von selber Gemeinschaft hervor und Wohlbefinden. Ob als Single vor dem Tannenzweig oder als Familie vor dem Weihnachtsbaum: Jeder ist allein. Jeder sehnt sich danach, verstanden und geliebt zu werden, zu verstehen und zu lieben. Und jeder erfährt darin tiefste Enttäuschungen. Darum gehört zum Zweig und zum Baum das Holz, aus dem Krippe und Kreuz gemacht sind. Darin und darauf ist ein Mensch. Dieser „holde Knabe“ wird aufs lockige Haar die Dornenkrone gedrückt bekommen. Am Ende gibt es ein Osterlachen, das Christen bis heute an sich nicht verzweifeln lässt, sondern sie zum Singen bringt: Allein und in Gemeinschaft, wissend, dass keine Einsamkeit so dunkel ist, dass Gott darin nicht wohnen könnte.

HEUTE ist ein Tag, an dem ich angekommen bin und auch zufrieden sein darf. Viel habe ich geleistet, wollte es allem und allen Recht machen. Auch wenn es nicht immer erkannt und gesehen wird: ich darf zufrieden sein und genießen.

 

Eigentlich bin ich ganz glücklich damit, dass ich mir in diesem Jahr besonders viel Mühe mit der Weihnachtsdeko gemacht habe. Aber das rechtzeitig, so dass ich mich jetzt im Advent jeden Tag darüber freuen kann. Am Nachmittag kann ich es kaum erwarten bis es dunkel wird und die winternackte Magnolie vor dem Haus in Lichterglanz getaucht wird und morgens beim Aufstehen freue ich mich gleich wieder…

Am Wochenende laden wir wieder zum Adventskaffee für (Facebook und Internet)Freunde und Kunden. Ich freue mich über jeden, der meine Dekorationen bewundert…

Nach dem Land- und Tafelwein, kommt als höchste Stufe der Qualitätswein. Er muss aus Trauben zugelassener Rebsorten von einem Anbaugebiet stammen. Auf dem Etikett trägt er die Bezeichnung Qualitätswein mit einem garantierten Ursprung. Qualität hat nicht nur seinen Preis, sie hat auch ihren Grund.

Wir wollen immer alles perfekt. Die Vorbereitungen auf das Fest bedeuteten trotz aller Vorsätze doch wieder Großeinkauf, langwierige Debatten über den perfekten Weihnachtsbaum, Gänsebestellung und die wiederkehrende Erkenntnis, dass die Lichterkette aus dem Vorjahr nicht mehr funktioniert. – Wir werden dabei zum Opfer unseres Perfektionismus, von dem, was uns Mode und Geschmack diktieren. Weniger ist mehr. Wohnung und Hausfassade müssen nicht mit den Nachbarn um die Wette leuchten. Nicht jede Nichte braucht zwei Geschenke. Drei Plätzchensorten schmecken auch statt 12. Jesus kommt in einer Krippe zu Welt. Kein perfekter Start, aber völlig ausreichend. Reduziert auf das Wesentliche. Es geht also auch anders.

HEUTE lasse ich zu, dass die Qualität meines Tages nicht vom Perfektionismus abhängig ist.

Es gibt ja Winzer, die das Jahr 2014 als eine der schwierigsten Ernten ihres Berufslebens bezeichnen. Wenn das tatsächlich so ist, dann kann es in Zukunft ja nur noch besser werden…
Natürlich was die Erntezeit auch für uns anstrengend, aber das wäre sie in jedem Fall gewesen, denn es war ja unsere erste Ernte und wir waren voller Anspannung und haben fast Tag und Nacht gearbeitet, damit nur alles bestmöglich geschieht. Besser also, mit einer schwierigen Ernte anfangen, dann kann es nur besser und einfacher werden, zumal ja mit jedem Jahr mehr Erfahrung und Routine und Selbstsicherheit dazu kommen wird. Der liebe Gott hat also auch das ganz prima für uns geregelt, zumal wir am Ende ja auch eine sehr gute Menge und sehr gute Qualitäten ernten konnten. Und diese haben wir dann so ausgebaut, wie Gott in hat wachsen lassen…

In der Phänologie wird der Zusammenhang zwischen dem Klima und der damit verbundenen Entwicklung der Rebe im Jahresverlauf beschrieben und bedacht. Alles steht in einem inneren Zusammenhang.

Der Advent braucht ein Klima, in dem wir noch wachsen und uns erneuern können. Das, was uns im Jahresverlauf geprägt hat, was uns gelungen ist oder was wir nicht so gut können, alles wird uns auch im Advent begleiten.

Es gibt vielfältige Zusammenhänge, die unser Leben gestalten und einmalig machen. Das gilt für alles Gute, aber auch für das, was uns das Leben schwer macht. Nichts davon wird magisch während der Adventszeit verändert. Wer für sich kein Klima der Ruhe im März herstellen kann, der wird es im Dezember vielleicht noch schwerer schaffen. Wir sind im Advent die gleichen Menschen, die wir im November waren, auch wenn uns diese Zeit verändern kann und darf. Dabei dürfen wir uns nicht überfordern.

HEUTE versuche ich, eine Überforderung zu vermeiden. Dafür muss ich mich von den Erwartungen und Ansprüchen der anderen etwas lösen und darf mich nicht aus den Augen verlieren.

Im Herbst sprechen alle Winzer von Oechsle. Aber die guten Winzer wissen, dass das nicht wirklich entscheidend ist. Zumindest kann man nicht sagen, dass mehr Oechsle immer noch mehr Qualität heißt. Wir haben konkret beim Verkosten der Jungweine erstaunliches erlebt. Der gleiche Weinberg, der gleiche Lesetag, nur die in einem separaten Eimer ausgelesenen gesunden Trauben mit weniger Oechsle und die mit Botrytis befallenen Trauben separat vergoren. Momentan liegt der Wein mit weniger Oechsle eindeutig vorne. Das gibt ein spannendes Wettrennen und noch spannender wird es werden, das Verhältnis zu definieren in dem die beiden Weine wieder miteinander verschnitten werden. Denn sie gehören ja zusammen (sie kommen beide aus „unserer“ Parzelle im Wisselbrunnen). Wie unten steht: auch Geschmack lässt sich nicht messen…

Der Pforzheimer Mechaniker Ferdinand Oechsle (1774-1852) gab der Maßeinheit des Traubenzuckers im Most und damit des möglichen Alkoholgehaltes im späteren Wein den Namen. Das Mostgewicht sagt viel über die zu erwartende Qualität. Es beschreibt das Gewichtsverhältnis von einem Liter Most zu einem Liter Wasser bei 20° C. Benennen kann man die Oechslegrade also nur, wenn das Verhältnis stimmig und vergleichbar ist.

Nicht alles kann man so genau bemessen. Beim Wein wie im Leben ist das Besondere nicht allein von Zahlen und Werten abhängig oder nur daran abzulesen.

Sternstunden, das sind Augenblicke, in denen eine Nation oder die Menschheit ganz besonders erhellt wird. Grund dafür kann ein Ereignis, etwa die erste Mondlandung, oder eine wissenschaftliche Entdeckung sein. Ich erlebe Sternstunden immer dann im kleinen Kosmos meiner Familie, Freunde und Arbeitskollegen, wenn es menschelt. Immer dann, wenn Menschen sich näher kommen, Gefühle aufbrechen, die vorher in einem von uns verschlossen waren. Das sind meine Sternstunden. Die rühren mich an. Sie bewegen mich und machen mich beweglich. So wie wir den Kontrast der Dunkelheit zum Sehen eines Sterns brauchen und ihn auch dann nicht immer mit bloßem Auge sehen können, braucht auch das Aufspüren des kleinen Glücks gutes Hinsehen und den Kontrast der Dunkelheit. Im Glanz der vielen Lichter übersieht man schnell das für einen selbst gerade wichtige Licht, die unglaubliche Sternstunde.

HEUTE lasse ich zu, dass das Schöne und Gute an diesem Tag nicht messbar ist. Ich darf und will es einfach erleben.

 

Integrierter Weinbau – ein Monstrum von einem Wort… Ich war schon eine ganze Weile beim VDP beschäftigt, bis ich das erste Mal damit zu tun hatte. Heute spricht alles von Nachhaltigkeit. Ist wohl in etwa das Gleiche… Aber Ihr dürft mir auch gerne widersprechen – ich weiß, dass ich nichts weiß.
Aber ich weiß schon, dass es Sinn macht, mit der Natur zu arbeiten und nicht nur möglichst viel aus ihr herausholen zu wollen. Man sagt, es sei an den Weinen zu schmecken, aber in jedem Fall bereichert es das eigene Leben, wenn man bewußt mit der Natur umgeht und nicht nur „Land-Wirtschaft“ betreibt. So kann ein Sonntag Morgen bei der Arbeit im Weinberg  ein echter Ersatz für eine Joggingrunde oder eine Fahrradtour sein – ein Morgen in der Natur eben…

Integrierter Weinbau umfasst alle umweltschonenden kultur- und anbautechnischen Maßnahmen. Was für den Wein von Nutzen ist, ist auch für den Menschen gut. Wer beim Weinbau die Umwelt schont, der erzeugt einen guten Wein und wirtschaftet nachhaltig.

Das kann auch eine Metapher für unser Leben und unseren Advent sein. Die ersten Tage des Adventes sind vergangen und mancher Leser, manche Leserin „geht schon auf dem Zahnfleisch“. Ermüdungserscheinungen und Stress, schon am neunten Tag. Damit das nicht so weitergeht, darf man sich selbst nicht aus dem Auge verlieren. Deshalb ist es gut und wichtig, unterschiedliche Phasen und Rhythmen in unseren Adventstag zu integrieren. Sorgfältig und schonend gehen wir mit uns um. Gönnen uns etwas und sei es auch noch so klein und von kurzer Dauer. Der Advent ist dazu da, dass wir uns auf das Ziel vorbereiten und es auch genießen können. Deshalb gilt es, uns zu schonen.

HEUTE denke ich eine halbe Stunde nur an mich. Ich mache etwas, das mir guttut.

Momentan ist es im Weinbau sehr angesagt und wird bei Weinverkostungen mit Bonuspunkten honoriert, wenn die Weine spontan vergoren werden, sprich, wenn keine Hefen zugesetzt werden, sondern der Wein von alleine mit der Gärung beginnt. In dem recht warmen Herbst 2014 wäre es sicher auch kein größeres Problem gewesen, die Weine ohne Hefe zum Gären zu bringen. Aber wir wollten doch lieber „auf Nummer sicher“ gehen und außerdem Erfahrungen mit den verschiedensten Hefen, die nach den Empfehlungen der Hersteller ihre jeweils ganz eigenen Eigenschaften haben, machen. Und das ist spannend, den gleichen Wein mit unterschiedlichen Hefen vergoren in seiner Entwicklung zu beobachten.

Hefe ist für die Gärung des Weines verantwortlich. Sie macht aus Traubensaft Wein, sorgt für seine Entwicklung.

So wie der Traubensaft die Hefe braucht, um zu gären, brauchen wir auch immer wieder Impulse von außen, die uns helfen, uns weiterzuentwickeln, um nicht stehenzubleiben. Anstöße, die uns helfen, uns zu entwickeln, buchstäblich aus einer Verwicklung zu befreien. Solche Impulse können Gespräche mit guten Freunden sein, ein ansprechender Text oder eine gute Sonntagspredigt. Andere und neue Gedanken bringen uns weiter, inspirieren uns zu neuen Schritten im Leben.

So wie die Hefe nur bei optimalen Bedingungen arbeiten kann, müssen auch wir offen für die Impulse sein, die uns voranbringen wollen. Wir müssen aufmerksam und vor allem mit offenen Ohren durch diese Welt gehen. Wir müssen bereit und offen sein, aus unserem Alltagstrott immer wieder hinauszublicken und uns neuen Gedanken zu öffnen, die uns weiterbringen wollen. Gerade die Adventszeit lädt uns ein, uns inspirieren zu lassen von den menschenfreundlichen Gedanken Gottes.

HEUTE bin ich offen für alle neuen Gedanken, die mich lebendig halten und weiterbringen, die in mir gären wollen.