Die #Weinrallye ist ein monatlich stattfindendes Blogevent. Jeweils ein anderer Blog bestimmt ein Thema und ruft die Blogersphäre dazu auf, zu diesem Thema einen Artikel zu verfassen. An einem bestimmten Tag werden die Beiträge dann miteinander verlinkt.

Das Thema der #Weinrallye 96 heißt Projektwein, und da ich nach unserer kleinen Promotion-Tour mit Ze’ev Dunie noch einige Erläuterungen zum wieso, weshalb, warum schuldig bin, habe ich spontan zugesagt hier mitzumachen. Dabei sind die Seahorse Weine eigentlich keine „echten“ Projektweine, aber da mein Engagement dafür aus dem Projekt der „Twin Wineries“ entstanden ist, erlaube ich mir, dieses Kuckucksei in die Weinrallye zu legen…

Am Anfang war Renée Salzmann und ihre Initiative „Twin Wineries“

Die Twin Wineries Initiative, wurde anlässlich der ProWein 2008 gegründet und ist eine Partnerschaft zwischen deutschen und israelischen Winzern und Weingütern. Ähnlich einer Städtepartnerschaft „vermählen“ sich zwei Weingüter um….  Ja, warum eigentlich? Da es keine Satzung und auch keine verpflichtende Regeln gibt, beantwortet diese Frage jedes Weingut ganz für sich selbst. Dem einen geht es darum gemeinsame Exportaktivitäten zu starten, der andere möchte in Sachen Weinbau dazulernen und wieder andere freuen sich endlich mal einen Grund zu haben nach Israel zu reisen. Allen gemeinsam, Deutschen wie Israelis, ist der Wunsch, die Länder und Kulturen gegenseitig besser kennen- und verstehen zu lernen.

Seit Gründung der Initiative in 2008 hat sich durch individuelle und gemeinsame Besuche ein reger Austausch zwischen den Partner-Weingütern entwickelt. Mit abwechselnden Weingipfeln in Deutschland und Israel sowie regionalen Veranstaltungen der Weingüter soll in beiden Ländern eine größere Öffentlichkeit erreicht werden. Organisiert wird das alles von Renée Salzmann, die mit ihrem Mann Hohey lange in Europa gelebt hat, bevor sie sich in ihrer ursprünglichen Heimat Israel niederließen. Sie sind die besten Botschafter für dieses spannende und zerrissene, aber auch faszinierende, wunderschöne und extrem vielfältige Land.

See-Genezareth

So habe ich dank ihrer Initiative meine Liebe zu Israel entdeckt, denn ich durfte 2009 (damals noch als Geschäftsführerin des VDP) mit einer Gruppe Deutscher Twins nach Israel reisen und dieses großartige Land entdecken. Seither war ich noch drei Mal in Israel, 2010 gar 6 Wochen lang zu Fuß – vom Norden bis nach Eilat im Süden -2424 unterwegs.

Auf meiner dritten Reise nach Israel im März 2013 lernte ich Ze’ev Dunie vom Weingut Seahorse kennen und war sofort begeistert von ihm, seinem Weingut und seinen Weinen. Ich spürte, dass dieser Winzer, der in seinem früheren Leben ein bekannter Filmemacher war, eine besondere Beziehung und Leidenschaft zu seiner Arbeit und seinen Weinen entwickelt hatte. Ähnlich wie bei uns, hatte der Wein sein Leben komplett verändert und bereichert – und viel besser als wir, kann er die metaphysischen Zusammenhänge rund um seine Weinberge, die Weinbereitung und das Endprodukt Wein in wunderbare Worte fassen.

Zeev-tractor-in-vineyard

The thoughts and emotions of the winemaker, relevant or irrelevant to the process of winemaking, will eventually find their way into the bottle of wine.

Als Urban und ich kurz nach meiner Reise in 2013 unser Traumweingut im Rheingau gefunden hatten, war die Entscheidung sehr schnell gefällt, dass wir Ze’ev als unseren Twin-Partner anfragen würden. Ze’ev kam uns im Mai 2014 in Hattenheim besuchen und ich flog im Mai 2015 zu seiner Familie nach Israel. Im letzten Sommer verbrachte Ze’ev drei Wochen in Berlin um sich einen Traum zu erfüllen und einen Roman zu schreiben, dessen Inhalte er lange schon im Kopf mit sich trug. „Touch and go“ heißt dieser Roman, der mit dem letzten Flug eines Piloten vor dessen Pensionierung beginnt. Leider ist der Roman momentan nur in hebräisch erhältlich, aber ich freue mich heute schon auf seine Deutsche Übersetzung.

Ze’evs Vater, der Fritz hieß, ist in Berlin geboren und hat dort bis 1938 gelebt, bevor er zu seiner allein lebenden Mutter nach Israel gerufen wurde. Welch ein Glück, dass die Mutter so hartnäckig war, denn Fritz wäre lieber in Deutschland geblieben… Aufgrund dieser Verbindung zu Berlin und dem Erfolg seiner Weine bei verschiedenen Tastings dort, erwachte der Wunsch in Ze’ev, seine Weine in diese Stadt einzuführen. Da auch der Riesling in Israel sehr geschätzt, aber nur ganz sporadisch importiert wird, beschlossen wir kurzerhand eine Palette Wein auszutauschen.

So kam es, dass Ze’ev im November 2015 drei seiner Weine auf den Weg nach Deutschland brachte. Damit begann eine kleine Odyssee, denn so wenig Erfahrung ich mit Import hatte, so wenig hatte sie Ze’ev mit Export. Etwas naiv gingen wir davon aus, dass im Zuge der Globalisierung der Import einer Palette Wein aus Israel keiner großen Vorbereitung bedarf. Am Ende wurde der Wein aufgrund fehlerhafter Dokumente und Etikettenangaben ab Dezember 2015 beim Hamburger Zoll festgehalten. Erst Mitte Februar 2016 waren alle Unklarheiten beseitigt, alle Dokumente aus Israel berichtigt und ich hatte 600 Flaschen Wein von Hand mit den richtigen Etiketten überklebt.

EtikettenHH

Und nun sind sie endlich hier….

SeahorseWEine

Ze’evs Weine, die er nach ökologischen Methoden an- und ausbaut, sind eigenständig, haben Charakter und eine Geschichte. Auch den Vergleich mit großen Weinen dieser Welt halten sie stand, und wenn man dann noch dazu die schwierigen Umstände kennt unter denen sie in Israel erzeugt werden, kann man nur den Hut vor ihnen und ihrem Winemaker ziehen.

Wie kam es zu dem Namen Seahorse?

Ze’ev hat keine echte Antwort auf diese Frage, zumindest hat es nichts mit einer speziellen Begebenheit oder gar mit dem Terroir in den Jerusalemer Bergen zu tun. Aber passend ist der Name dieses sympathischen und etwas mystischen Tierchens allemal für dieses kleine 3 Hektar große Weingut inmitten der riesigen globalen Weinwelt.

Zinfandel is a summer dress blowing in the wind. Petite Sirah is the belt that ties it to the body. And Mourvedre? – the pearl necklace… In a word: exotic.

Auch die Namen seiner Weine hat Ze’ev mal intuitiv mal sehr überlegt, aber in jedem Fall immer sehr passend gewählt. Der „James“, ein 100%iger Chenin Blanc aus einem Weinberg mit über 40 jährigen Reben, wurde nach Ronnie James benannt, dem Weinmacher, der Ze’ev die ersten Schritte im Winzerleben begleitet und von dem er viel gelernt hat. Der „Antoine“ ein Blend aus Syrah, Grenach, Mourvedre (wie ein Chateauneuf du Pape) ist nach dem Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry benannt und der etwas exzentrische „Lennon“ nach dem Musiker der Beatles. „With a little help from my friends“ werden 75%  Zinfandel von Petit Sirah und Mourvedre in gleichen Teilen unterstützt.

Sind Ze’evs Weine koscher?

Nein, koscher sind sie nicht, denn das würde bedeuten, dass Ze’ev seine Weine im Keller gar nicht selbst „machen“ darf. Der einzig relevante Unterschied von koscheren zu nicht koscheren Weinen ist nämlich, dass koschere Weine ausschließlich von religiösen Juden unter Aufsicht eines Rabbis behandelt werden dürfen. Genauer gesagt, dürfte Ze’ev, der zwar von seiner Abstammung her Jude ist, aber den Glauben so lebt, wie die meisten Christen hier in Deutschland ihren Glauben praktizieren, den Wein in den Fässern und auch die Fässer selbst nie berühren. Er dürfte noch nicht einmal einen Schlüssel zu seinem Weinkeller besitzen. Ein Unding für einen Freigeist wie Ze’ev, weswegen er enorme Vermarktungs-Nachteile in Kauf nimmt, denn alle Hotels in Israel sind koscher und in diesen Hotels wird sehr viel israelischer Wein getrunken. Ein Grund mehr, die Weine in Deutschland und in den Export zu bringen, sofern die Aufklärung gelingt, dass „koscher“ nichts mit Qualität oder einem besonderen Herstellungsverfahren und einer damit verbundenen besonderen Charakteristik zu tun hat.

Wo kann man Seahorse Weine kaufen?

Bisher kann man die Weine ausschließlich über unser Weingut beziehen. Der Weißwein kostet 25,00 Euro und die beiden Rotweine 28,00 Euro. Schreiben Sie einfach eine E-Mail an e.raps@weingut-hans-lang.de . Wir versenden die israelischen Weine bereits ab 6 Flaschen frei Haus. Und wenn Sie Händler oder Gastronom sind oder jemanden kennen, der Interesse daran hat Weine aus Israel zu vermarkten, sprechen Sie uns an. Wir freuen uns über jeden, der unsere Begeisterung für dieses Land, seine Menschen und seine Weine teilt.

Weinreise-Banner_Newsletter

Auf einer ganz ähnlichen Reise habe ich meine Liebe zu diesem Land entdeckt und war seither 4 Mal dort. Man kann dieses umstrittene und doch so faszinierende Land durch den direkten Kontakt mit den Menschen, die hier leben viel intensiver kennen lernen, als das bei einer reinen Kulturreise der Fall ist. Und man erlebt dabei großartige Gastfreundschaft und großartige Weine.

Mehr zu den Hintergründen dieser Reise

Zum Veranstalter und Programm der Reise

 

„In dieser beschwerlichen und ewig streitbaren Welt gibt es Menschen, die beharrlich an der Schönheit des Lebens arbeiten….“

Urban1 Eva1 Zeev
Urban Kaufmann
Die erste Hälfte seines Berufslebens hat er aus der Milch von den saftigen Weiden der Schweiz würzig-kräftigen Appenzeller reifen lassen.
Eva Raps
Nach fast zwei Jahrzehnten als Geschäftsführerin des VDP, spürte sie die Zeit für einen Wandel und fand eine neue Heimat im Rheingau.
 Ze’ev Dunie
Der passionierte Filmemacher kam nach Deutschland um sich auf die Spurensuche seines Vaters in Berlin zu machen.

Und … Irgendwann sind wir uns im Zeichen des Weines begegnet.

Wir laden Sie ein, zu erleben, was sich aus dieser Begegnung und unseren ersten gemeinsamen Schritten entwickelt hat:

Weine entstanden aus großer Leidenschaft, die den Charakter ihrer Herkunft – dem Rheingau und der Jerusalemer Berge – ausdrücken.

Ganz nach dem Motto „beharrlich an der Schönheit des Lebens zu arbeiten…“

Freitag, 26. Februar 2016
15.00 – 19.00 Uhr
Montag, 29. Februar 2016
14.00 – 18.00 Uhr
Dienstag, 01. März 2016
ab 19.00 Uhr
graf’s Kontor

Giesebrechtstr. 10, Berlin – Charlottenburg

Petersen Gutes Essen „nebenan“

Eppsteiner Str. 30, Frankfurt

Sterns Weinloft

Beethovenstr. 12, Köln

Wir freuen uns auf Sie zu Weintasting und Gesprächen!

Twins

Urban Kaufmann, Eva Raps und Ze’ev Dunie

PS: Anmeldung unter Tel. 06723-2475. Bei Claudia Stern in Köln servieren wir Köstlichkeiten der israelischen Küche und berechnen für den Abend 35,00 Euro pro Person.

Vom Rheingau in die Schweiz

11. Februar 2016 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Kuhnweine

Urban Kaufmann bringt junge und herrlich gereifte Weine aus dem Rheingau in die Schweiz

Am kommenden Samstag haben alle Schweizer Weinliebhaber die Gelegenheit zu erleben, wie gut die jungen Rieslinge und Pinot Noirs aus dem Rheingau schmecken und wie vorteilhaft diese sich mit ein paar Jahren Flaschenreife entwickeln können. Vom WISSELBRUNNEN, das ist eine der besten Grand-Cru-Lage in Hattenheim, gibt es die drei grossen Jahrgänge 2014, 2009 und 2003 zu probieren. Faszinierend zu erleben, wie ein Wein sich aromatisch zwar verändern kann, am Ende aber doch im Charakter derselbe bleibt. Sie werden es erleben, da kommt richtig Freude auf. Auch die vier Pinot Noirs haben sehr viel zu bieten. Perfekt reif sind auch die edelsüssen Rieslinge, es gibt eine Spätlese aus 2002 und aus 2005 eine Auslese und eine Beerenauslese.
Logisch, dass Urban Kaufmann auch perfekt gereiften Appenzellerkäse zum Probieren mitbringt, schliesslich hat er die erste Hälfte seines Lebens der Herstellung von hochkarätigem Appenzeller gewidmet.

Die Degustation beginnt um 11 Uhr und dauert bis ca. 16 Uhr
peterkuhnweine.ch, Früeblistrasse 3a, 8157 Dielsdorf
Tel 044 840 90 10
contact@peterkuhnweine.ch
www.peterkuhnweine.ch

Erfolge

20. Januar 2016 | von Eva in Allgemein - (1 Comments)

Wir freuen uns über die positive Stimmen und Bewertungen zu unserer neuen Weinlinie Kaufmann (mehr zu dieser Linie können Sie hier nachlesen)

Die drei neuen Etiketten

91 Parker Punkte für den 2014er Wisselbrunnen, von Stephan Reinhardt

… The wine has 12,5% alcohol, an intense citrus-yellow color, a concentrated and mineral bouquet of ripe fruits and almonds and comes onto the palate as a full-bodied, round and complex Riesling; it has a persistently mineral and well structured finish. This is doubtlessly Kaufmann’s top wine and the balance between juiciness and salinity, between ripeness and freshness, is excellent here. This is a perfect wine with food and it will gain even more complexity over the years of bottle aging.

Unsere „drei Neuen“ haben es unter die 10 Top-Kollektionen des Gastrokritikers und Bloggers Niko Rechenberg geschafft… 

…Die neue Tell-Linie der Kaufmann/Raps’schen Weine ist ansprechend und frech…. Ausgezeichnete Qualitäten von Tell und Hattenheimer Wisselbrunnen…..

90 Punkte für den Wisselbrunnen von der Chefredakteurin der Weinwelt, Ilka Lindemann

…. der Riesling kommt mit stahliger Art, Sternfrucht, Ananas und Kräutern daher. Am Gaumen Zitrusnoten und grüner Apfel. Duck, Potenzial, Länge… echte Größe.

89 Punkte für den Wisselbrunnen vom Chefredakteur von Wein & Markt, Klaus Herrmann

… Sehr viel besser konnte man es wohl kaum machen. … der Duft verrät vollreifes Lesegut und verführt zu ausgiebigem Schnuppern durch alle Etagen der vielschichtigen Aromatik…. viel Extrakt und einen seidigen Körpoer mit Schmelz und Länge…

Jürgen Fendt, einer von Deutschlands Top-Sommeliers, hat sich gleich einige Flaschen des Wisselbrunnens für seine Weinliste im Hotel Bareis gesichert

….Wisselbrunnen – Wow – Saftig, ausgewogen, Säure gut eingebunden, schon zugänglich und problemlos zehn Jahre lagerfähig. Herzlichen Glückwunsch zu diesen Weinen

88 Parker Punkte für den 2014er Tell Riesling, von Stephan Reinhardt

Friedrich Schiller’s Tell is godfather of Urban Kaufmann’s 2014 Rheingau Riesling trocken Tell (AP 2015), a selection from top parcels in Hattenheim. The wine with the red circle and the white crosslines on the golden label opens with an intense, ripe, elegant and nicely mineral bouquet that indicates a certain depth. Full-bodied, round and fruit intense, this is a well balanced and juicy Riesling with a mice mineral acidity and grippy finish. Since the wine is not bone dry, it goes very well on its own, although it is made to be enjoyed at the table.

Mario Scheuermann platzierte unseren Tell als seinen Weintipp im Weinwisser…

…eine feine, aber charakteristische Mineralität. Am Gaumen eine verhältnismässig milde Säure, geschmeidig. Der Wein ist schlank und elegant, zeigt aber zugleich eine bemerkenswerte aromatische Dichte mit einer reifen Zitrusnote. Guter Abgang. Ein sehr gastronomischer Wein. 16 +/20

Vergangene Woche durfte ich einen Vortrag von Stephan Röder hören, der mich so berührt und begeistert hat, dass ich hier davon berichten und ihn durch das Resümieren gleichzeitig tiefer in mein Gedächtnis eingraben möchte. Stephan Röder kenne ich inzwischen seit ca. 7 Jahren, als Seminarleiter der Kurse für Personal- und sich-selbst-führen, des Würzburger „Team Benedikt“.

Stephan hielt den Vortrag in den wunderbar restaurierten Seminarräumen des Kloster Eberbachs für den Verein „Academie Kloster Eberbach e.V.“, der sich für die christlichen Werte in Wirtschaft und Gesellschaft einsetzt.

„Die Regel des Hl. Benedikts“, die um 529 von Benedikt von Nursia niedergeschrieben wurde, ist bereits Teil meines, leider viel zu wenig genutzten, Bücherschranks. Doch nach dem packenden und inspirierenden Vortag von Stephan, will ich doch versuchen, öfter mal darin zu lesen, denn sie ist wahrlich eine Quelle und Inspiration, die als Ermutigung und Korrektiv für das eigene Leben sehr nützlich sein kann. Stephan brachte sehr viele Bezüge zum Thema (Personal-) Führung in Unternehmen in seinen Vortrag ein und das ist auch das Gebiet durch welches ich ihn kennen- und schätzen gelernt habe. Dieses Mal jedoch, trafen mich seine Worte eher in meiner Rolle als Existenzgründerin und Unternehmerin. Daher wird mein Resümée und meine Zusammenfassung des Vortrags sich ganz darauf konzentrieren, was ich gehört habe. Aber genau das macht ja einen guten Vortrag aus: dass jeder das heraushört, was er hören will, was ihn bewegt und worin er in stetiger Übung ausharrt….

hören – laufen – ausharren… Diese drei Worte bildeten nämlich den roten Faden der Rede.

Hören

 „Höre mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat.“ RB Prol 1

Dieses und weitere 13 Zitate in denen das Wort hören oder gehorchen auftaucht, finden sich alleine im Prolog der Regel. Überhaupt beschäftigt sich Stephan in dem Vortrag ausschließlich mit diesem Prolog.

Zuhören, besser noch hinhören, ist schwer. Denn es ist aktive Passivität. Hören setzt große innere Aktivität voraus – mich auseinandersetzen mit etwas, was von außen auf mich zukommt, mich fordert – und doch, tut von außen betrachtet, ein Hörender nichts.

Hören ist nicht in erster Linie eine rhetorische Technik, Hören ist – eine Herzensangelegenheit. Herz meint eine offene, eine zugewandte Haltung, echtes Interesse, Lernbereitschaft, eine fragende Haltung. Hören ist Zeichen des Respekts und der Demut, also dem Mut, mit seinen Fähigkeiten und Begabungen, seinem Wissen und Können anderen, dem Ganzen zu dienen.

Für mich heißt, zuhören aber auch gleichzeitig zu lernen, meinen Horizont zu erweitern. So will ich versuchen, gut zuzuhören wenn Kollegen von ihren Erfahrungen im Weinberg, im Keller oder in der Vermarktung erzählen und gut zuhören, wenn ich mit Kunden spreche, um zu erfahren, was sie sich wünschen, welchen Weinstil sie bevorzugen aber auch um zu erfahren, was von uns erwartet wird, z.B. von den Wiederverkäufern unserer Weine bezüglich unserer Sortiments- oder Preispolitik.

Laufen

„Stehen wir also endlich einmal auf“ (RB Prolog 8)
so ruft der Heilige Benedikt in seiner Regel den Menschen zu, die „das Leben lieben und gute Tage zu sehen wünschen“(RB Vorw15, Ps 34,13).

Ebenfalls 13-mal findet sich ein Verb der Bewegung im Prolog der Regel: rütteln, aufstehen, gehen, laufen, eilen, fortschreiten, (dem Guten) nachjagen, zurückkehren, umkehren, (der Hölle) entfliehen.

Und auch wir, die Anwesenden bei dem Vortrag, sind ja zu Hause aufgestanden und auf unterschiedlichen Wegen ins Kloster gekommen. Wir alle haben uns also bewegen lassen. Und, dass sich bewegen auf Segen reimt ist durchaus kein Zufall, sondern eine sinnvolle Fügung.

Wie oft haben wir, wie auch heute, gedacht, „was für ein Segen, dass ich mich aufgerafft habe, aus der warmen Stube zum Sport oder zu einem kulturellen Ereignis“. Auch nach manch langer Fahrt zu Freunden oder Verwandten sagt man, „Mensch, das sollte man viel öfter machen“.

Und schließlich haben auch Urban und ich uns in Bewegung gesetzt. Erst mal er nach Deutschland und ich in die Schweiz zum gegenseitigen Besuch und dann endgültig wir beide in den Rheingau. Das war ein großer Schritt und wir sind immer noch ein wenig „außer Atem“… Aber es ist gut so und wir freuen uns immer wieder, dass wir aufgebrochen sind in ein neues, gemeinsames, bewegendes Leben….

Ausharren

„Vor allem: wenn du etwas Gutes beginnst, bestürme ihn beharrlich im Gebet, er möge es vollenden … (RB Prolog 4)

Dieses „Ausharren“ und „beharrlich sein“ hat es was damit zu tun, wie Benedikt das Kloster versteht: „Wir wollen also eine Schule für den Dienst des Herrn einrichten“ RB Prol 45
Also sind im Kloster alle Schüler. Was macht einen Schüler zum Schüler? Disziplin ist das, was einen discipulus auszeichnet: er übt so lange, bis er es kann. Ausharren in Geduld bedeutet, dass ich ein Leben lang Übender bleibe, mich als Schüler verstehe, egal wie weit ich schon gekommen bin.

„Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“

Das ist keine Zitat der Regel des Benedikt, sondern ein Zitat von Goethe aus dem Faust, das mich schon seit meiner frühesten Jugend begleitet und das mein Leben, meine ganz persönliche Erfahrung schon x fach bezeugt hat.

Ausharren meint Treue und damit in erster Linie die Verlässlichkeit in der Beziehung zu anderen und zu den Dingen, die unser Leben ausmachen und Treue zu unseren Werten, zu dem wovon wir überzeugt sind, dass es richtig ist. Treue meint aber auch, Teil der Gemeinschaft werden, sich einfügen lassen. Sich dem fügen, was die Gemeinschaft vorgegeben hat.

Ausharren meint auch, zu seiner Entscheidung zu stehen, nicht wankelmütig zu sein. Aber es meint auch, ein aktives sich immer wieder neu entscheiden für die Gemeinschaft,
für das, was ich als richtig erkannt habe, für Disziplin, also dafür, Schüler, Lernender zu bleiben, lernend zu arbeiten und arbeiten zu lernen

und damit dann auch Hörender und als Hörender zu jemandem gehören und gehorchen, jemand der sich rufen lässt, der aufsteht und losgeht.

Damit schließt sich der Kreis.

Wie bereits am Anfang erwähnt, ist dies nur eine extrem gekürzte, bruchstückhafte und sehr subjektive Wiedergabe dessen, was Stephan gesagt hat. Und ich befürchte, diese Wiedergabe wird kaum jemanden so berühren, wie mich der Vortrag angesprochen hat. Aber ich hoffe, dass mein Beitrag dazu doch einige Leser neugierig macht auf das, was Stephan und das Team Benedikt wirklich zu sagen haben. Eines kann ich versprechen – es wird in jedem Fall eine Bereicherung für Ihr Leben sein, ganz egal ob Sie sich als gläubig bezeichnen, oder nicht.

Wie kann man als Winzer das neue Jahr besser begrüßen, als in den Weinberg zu gehen? Was wir hier, zusammen mit Helmut Durner, gemacht bzw. gepflanzt haben, verraten wir jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt….

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