15. Dezember – Oechsle

15. Dezember 2014 | von Eva in Wein-Adventskalender von A-Z

Im Herbst sprechen alle Winzer von Oechsle. Aber die guten Winzer wissen, dass das nicht wirklich entscheidend ist. Zumindest kann man nicht sagen, dass mehr Oechsle immer noch mehr Qualität heißt. Wir haben konkret beim Verkosten der Jungweine erstaunliches erlebt. Der gleiche Weinberg, der gleiche Lesetag, nur die in einem separaten Eimer ausgelesenen gesunden Trauben mit weniger Oechsle und die mit Botrytis befallenen Trauben separat vergoren. Momentan liegt der Wein mit weniger Oechsle eindeutig vorne. Das gibt ein spannendes Wettrennen und noch spannender wird es werden, das Verhältnis zu definieren in dem die beiden Weine wieder miteinander verschnitten werden. Denn sie gehören ja zusammen (sie kommen beide aus „unserer“ Parzelle im Wisselbrunnen). Wie unten steht: auch Geschmack lässt sich nicht messen…

Der Pforzheimer Mechaniker Ferdinand Oechsle (1774-1852) gab der Maßeinheit des Traubenzuckers im Most und damit des möglichen Alkoholgehaltes im späteren Wein den Namen. Das Mostgewicht sagt viel über die zu erwartende Qualität. Es beschreibt das Gewichtsverhältnis von einem Liter Most zu einem Liter Wasser bei 20° C. Benennen kann man die Oechslegrade also nur, wenn das Verhältnis stimmig und vergleichbar ist.

Nicht alles kann man so genau bemessen. Beim Wein wie im Leben ist das Besondere nicht allein von Zahlen und Werten abhängig oder nur daran abzulesen.

Sternstunden, das sind Augenblicke, in denen eine Nation oder die Menschheit ganz besonders erhellt wird. Grund dafür kann ein Ereignis, etwa die erste Mondlandung, oder eine wissenschaftliche Entdeckung sein. Ich erlebe Sternstunden immer dann im kleinen Kosmos meiner Familie, Freunde und Arbeitskollegen, wenn es menschelt. Immer dann, wenn Menschen sich näher kommen, Gefühle aufbrechen, die vorher in einem von uns verschlossen waren. Das sind meine Sternstunden. Die rühren mich an. Sie bewegen mich und machen mich beweglich. So wie wir den Kontrast der Dunkelheit zum Sehen eines Sterns brauchen und ihn auch dann nicht immer mit bloßem Auge sehen können, braucht auch das Aufspüren des kleinen Glücks gutes Hinsehen und den Kontrast der Dunkelheit. Im Glanz der vielen Lichter übersieht man schnell das für einen selbst gerade wichtige Licht, die unglaubliche Sternstunde.

HEUTE lasse ich zu, dass das Schöne und Gute an diesem Tag nicht messbar ist. Ich darf und will es einfach erleben.

 

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