Die Kunst des Cuvéetierens

4. Mai 2015 | von Eva in Allgemein | Weingut

Auch wenn man alles im Weinberg, bei der Lese und dem Ausbau richtig gemacht hat – die Cuvée ist alles entscheidend…

Während wir fast ungeduldig darauf warten, dass die Reben wachsen und es wieder Arbeit in den Weinbergen gibt, beschäftigt uns in den letzten Wochen die Einordnung der einzelnen Fässer zu den Cuvées der verschiedenen Rieslingweine. Was das heißt ist wohl den wenigsten Weinliebhabern bewußt, aber ich finde das eine so spannende neue Erfahrung, dass ich diese unbedingt hier teilen möchte.

Fangen wir von oben an, bei unserer VDP.GROSSEN LAGE dem Hattenheimer Wisselbrunnen.

Nach der Vorlese der bereits von Botritys befallenen Trauben, haben wir das gesunde Lesegut an drei aufeinanderfolgenden Lesetagen geerntet und jeweils separat in Edelstahlfässern ausgebaut. Jedes dieser Fässer hat eine eigenen Geschmack und auch die Säure und Restzuckerwerte variieren etwas. Da wir aber nur den Wein mit den besten Anlagen für eine gute Flaschenreife und mit dem klaren und präzisen Geschmacksbild unserer Vorstellung unter der Bezeichung Wisselbrunnen vermarkten wollen, braucht es schon gewisse hellseherische Fähigkeiten in diesem frühen Stadium die wahre Qualität – sprich das Entwicklungspotential – des Weines zu erkennen und zu entscheiden welches Fass das Rennen machen wird.Und nur dieses Fass bleibt noch eine Weile unberührt im Keller zur Reife liegen, während die anderen Weine aus dieser Lage in die Kategorie des Hattenheimer Ortsweins herabgestuft werden.

Genauso verhält es sich mit den Fässern aus der VDP.ERSTEN LAGE Hattenheimer Schützenhaus. Unser Besitz in dieser Lage ist ziemlich groß, so dass wir auch hier nur die allerbesten Fässer unter dem Lagennamen vermarkten werden, auch wenn wir die gesamte Fläche mit den gleichen Qualitätsanforderungen wie z.B. Ertragsreduzierung und maximaler Reife der Trauben erzeugt haben.

Wenn die Entscheidung bezüglich der Lagenweine gefallen ist, sollte man meinen, dass sich die VDP.ORTSWEINE von ganz alleine ergeben, nämlich alle Weine aus Hattenheimer Lagen kommen in den Hattenheimer und alle Weine aus den Hallgartener Lagen (z.B. Hendelberg, Schönhell, Jungfer) werden in den Hallgartener Ortswein cuvéetiert. Was aber, wenn in diesem Jahr die Weine aus Hattenheim insgesamt schlanker sind und mineralischer schmecken als die Weine aus Hallgarten? Wo es doch im letzten Jahr genau anderesherum war und das eigentlich auch logischer ist, da die Hallgartener Lagen 100 – 200 Meter höher liegen als die Hattenheimer….!?  Da gilt es jetzt ganz genau und immer wieder hinzuschmecken und die Weine in kleinen Probemengen miteinander zu verschneiden um eine Idee von dem Endergebnis zu erhalten, das am Ende die unterschiedliche Charakteristik der beiden Herkünfte zeigen soll.

Aus den Weinen, die dann absolut „aus der Reihe“ tanzen, entsteht der Gutswein. Und deshalb ist der Gutswein auch die Visitenkarte des Weinguts. Denn in den Spitzenbetrieben, zu denen wir uns zählen,  werden alle Weinberge mit Sorgfalt bearbeitet und die Trauben mit maximal möglicher Reife geerntet. Der Gutswein ist also keine Cuvée aus minderwertigen Weinen, sondern aus Weinen, die entweder aufgrund ihrer Stilistik nicht in die jeweilige Herkunftskategorie passen oder die der „Auslese der Besten zum Opfer gefallen“ sind.

In jedem Fall trägt der Gutswein die Handschrift des Weinguts und so sollte man bei der Beurteilung eines Weinguts diesem Basiswein seine ganze Aufmerksamkeit schenken, denn in ihm vereinen sich letztlich die gesammelte Qualitätsanstrengungen des Winzers. Nicht umsonst wird der Gutswein auch als Visitenkarte des Weinguts bezeichnet.

 

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