16. Dezember – Phänologie

15. Dezember 2015 | von Eva in Wein-Adventskalender von A-Z

Zugegeben, ich wußte schon letztes Jahr nicht was dieser Begriff bedeutet und hatte es auch wieder vergessen, bis ich eben den Beitrag von 2014 wieder las. Die Phänologie befasst sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur, heißt es in Wikipedia, und so interpretiere ich das im Falle unseres Weinguts als eine Art Jahrgangs-Verlaufs-Bericht aus unseren Weinbergen. Da ich diesen zwar vorbereitet aber nicht veröffentlicht habe, scheint mir dies eine geeignete Gelegenheit:

Das Weinjahr 2015 war geprägt von Wetterextremen. Wiederholte sommerliche Hitzeperioden mit rekordverdächtigen Höchsttemperaturen wurden jeweils nur kurz von Abkühlungen unterbrochen, die jedoch ab Juni keinerlei Regen mehr mit sich brachten. Im September strapazierten einige regenreiche Tage kurz vor der Lese nochmals unsere Nerven, bevor ein trockener Herbst schließlich doch noch zu einem guten Ende führt.

Das Frühjahr startete mit einem dem Austrieb Ende April geringfügig früher als im Mittel. Dieser leichte Entwicklungsvorsprung blieb bis zur Rebblüte Anfang Juni erhalten. In der Folge wurde die Trockenheit zu einem immer größeren Wachstumsfaktor, denn bis Ende August fehlte uns die Regenmenge von drei durchschnittlichen Monaten.

Besonders auf flachgründigen Böden wurde das Wasser so knapp, dass die Reben die überdurchschnittliche Wärme im Juli und August nur zum Teil ausnutzen konnten und sich die Reife der Beeren sehr verlangsamte. Erstaunlicherweise mussten wir bei unserer Pinot Noir Anlage die wir letztes Jahr neu gepflanzt haben nur die schwächsten Stöcke gießen, alle anderen haben anscheinend schon so tief gewurzelt dass sie immer noch Wasser im Boden aufnehmen konnten.

Durch die andauernde Trockenheit blieben die Weinberge sehr gesund und hatten keinerlei Krankheitsdruck durch falschem Mehltau oder Peronospora. Und auch die allseits gefürchtete Kirschessigfliege war im gesamten Rheingau und auch in den anderen Regionen überhaupt kein Thema..

Die Regentage Mitte September führten in unseren Weinbergen zum Glück kaum zum Aufplatzen der Beerenhäute und damit eintretender Fäulnis. Wir führen das auf die ökologische Bewirtschaftung unserer Weinberge zurück, durch die die Beerenhäute etwas dicker und damit widerstandsfähiger sind.

Bedingt durch die verlangsamte Reife der Trauben starteten wir dann doch nicht wie zunächst vermutet sehr früh, sondern erst am 28. September mit der Lese von perfekt gesunden Grauburgunder Trauben.

Dank der gesunden Trauben, einem motivierten Leseteam und dem optimalen Wetter konnten wir die Trauben innerhalb der Rekordzeit von nur 3 Wochen in den Keller bringen.
Die Öchslewerte bewegten sich zwischen 90-100°. Die Säurewerte bei den Burgunden lagen bei perfekten 7 Grad und bei den Rieslingen zwischen 9,5 und 13 Grad. Rein analytisch sind diese Rieslingwerte zwar hoch, jedoch ist der Anteil der reifen und milden Weinsäure im Verhältnis zur unreiferen Äpfelsäure weitaus größer. Außerdem brauchen vor allen Dingen die Rieslinge ein gesundes Säuregerüst, das den Weinen Finesse und Langlebigkeit geben wird.

Ein kleiner Teil der Rieslingtrauben hängt auch jetzt noch in den Weinbergen, in der Hoffnung auf einen Eiswein zur Abrundung dieses perfekten Jahrgangs.
Zusammenfassend können wir sagen, dass wir uns sowohl im Weißwein- als auch im Rotweinbereich auf qualitativ hochwertige Weine des Jahrgangs 2015 freuen, die sich sowohl durch ihre Fruchtigkeit als auch durch Schmelz und Fülle auszeichnen werden.

Und hier geht es zum sechzehnten Türchen des Adventskalenders….

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